38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
Neurodegenerative und vaskuläre Veränderungen bei diabetischer Retinopathie: Rolle von hyperreflektiven Spots und Exsudaten
Text
Hintergrund: Hyperreflektive Spots (HRS) und harte Exsudate sind charakteristische OCT-Biomarker der diabetischen Retinopathie (DR). HRS gelten als Marker neuroinflammatorischer Veränderungen und Mikroglia-Aktivierung, während Exsudate Ausdruck erhöhter vaskulärer Permeabilität und extrazellulärer Lipidablagerungen sind. Ziel dieser Studie war es, deren räumliche Verteilung und den Zusammenhang mit lokaler Netzhautfunktion zu untersuchen.
Methoden: Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ I/II (aller DR Stadien unterteilt nach klinischem DRSS (PMID: 13129861)) unterzogen sich einer hochauflösenden multimodalen Bildgebung, inkl. OCT mit verbesserter axialer Auflösung (2,8 µm). HRS (<30 µm, ohne Abschattung des OCT-Signals) und HE (>30 µm, mit Abschattung des OCT-Signals) wurden anschließend in den retinalen Schichten (GCL-ONL) annotiert und die Verteilung gemäß der ETDRS-Felder abgebildet (Fiji-Tool („Mark HRF OCT“)). Die retinale Sensitivität pro ETDRS-Subfeld wurde mittels Mikroperimetrie (68 Stimuli, 24° zentriert auf die Fovea) erfasst. Zusätzlich wurde das Vorliegen eines Makulaödem bewertet. Patientinnen und Patienten mit Veränderungen der Ellipsoid-Zone oder dem Vorhandensein der Disorganisation der inneren Netzhautschichten wurden ausgeschlossen. Multivariable lineare Modelle prüften Zusammenhänge zwischen Anzahl der HRS und Exsudate und Sensitivität (Kovariaten: DRSS, Alter, ETDRS-Subfeld).
Ergebnisse: Es wurden 51 Augen von 51 Patientinnen und Patienten eingeschlossen (mittleres Alter 55,9 ± 14,8 Jahre; DRSS 3,3 ± 1,6; HbA1c 7,6 ± 2,0%). HRS (n = 2308) fanden sich in allen untersuchten Augen, während HE (n = 1222) in 21 Augen vorhanden waren. 90,5% der Augen mit HE zeigten intraretinale Zysten (IRC). HRS waren überwiegend in der inneren (31,9%) und äußeren (29,4%) Körnerschicht (INL, ONL) lokalisiert, während HE vor allem in der äußeren plexiformen Schicht (37,9%) und der ONL (38,3%) auftraten. Nach Normalisierung auf die Fläche der ETDRS-Felder zeigten sowohl HRS (229,2/mm²) als auch HE (82,8/mm²) die höchste Dichte im zentralen Subfeld. Eine höhere HRS-Last war unabhängig von den Kovariaten mit einer reduzierten retinalen Sensitivität assoziiert (β = −0,08, p < 0,001), wohingegen dies für HE nicht der Fall war (p = 0,36).
Schlussfolgerung: HRS und HE zeigen unterschiedliche räumliche Verteilungen und funktionelle Zusammenhänge im Rahmen der DR. Dabei sind HRS unabhängig mit einem lokalisierten Sensitivitätsverlust assoziiert. Die Berücksichtigung dieser Unterschiede könnte die Interpretation struktureller Bildgebungsbiomarker im Rahmen klinischer Studien verbessern.



