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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Transurethrale versus suprapubische Katheterisierung bei akuter bakterieller Prostatitis: klinische Prädiktoren und Behandlungsergebnisse

Analena Elisa Handke - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Charlotte Mireille Gassen - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Patricia Rausch - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Leon Ferber - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Christopher Orf - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Henning Bahlburg - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Peter Bach - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Joachim Noldus - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Florian Roghmann - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Karl Heinrich Tully - Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland

Text

Einleitung: Die akute bakterielle Prostatitis (ABP) ist eine häufige Komplikation und Erstmanifestation der benignen Prostatahyperplasie des älteren Mannes. Während die antibiotische Therapie nach lokalen Resistenzmustern als Standard gilt, ist die Wahl der Harnableitung (transurethral (TC) versus suprapubisch (SC)) aufgrund des Mangels an hochwertiger Evidenz weiterhin unklar. Ziel dieser Studie war die Identifikation von Einflussfaktoren auf die Wahl der Katheterisierungsart sowie deren Auswirkungen auf den klinischen Verlauf.

Material & Methoden: Es erfolgte eine retrospektive Analyse von 255 Patienten mit ABP, die zwischen 01/2015 und 12/2024 in einem Zentrum behandelt wurden. Erfasst wurden infektionsassoziierte Parameter (Prostatavolumen, Restharn, Fieber, Entzündungsmarker, Prostataabszess, Urinstatus) sowie deren Beziehung zur Katheterisierungsform. Anschließend wurden der Einfluss der Katheterisierung und dieser Parameter auf die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die spätere subvesikale Desobstruktion sowie die Wiedervorstellung innerhalb von 30 Tagen analysiert.

Ergebnisse: Das mediane Alter betrug 64 Jahre (IQR 57,5–71), das Prostatavolumen 52 cm³ (IQR 40–76). Die Mehrzahl erhielt einen SC (n = 164; 64,3%), 91 Patienten einen TC (35,7%). Patienten mit TC wiesen seltener Restharn (ab 50 ml als relevant gewertet; 21,8% vs. 34,6%; p = 0,042) sowie häufiger erhöhte CRP-Werte (≥ 10 mg/dl: 68,1% vs. 54,9%; p = 0,039) auf. Ein Prostataabszess fand sich häufiger bei SC (8,6% vs. 3,4%; p = 0,119). Die mittlere Aufenthaltsdauer war in beiden Gruppen vergleichbar (je 5 Tage; p = 0,676). Die 30-Tage-Wiederaufnahmerate war nach TC niedriger (1,1% vs. 6,8%; p = 0,045), während nach SC häufiger eine spätere subvesikale Desobstruktion erforderlich war (21,3% vs. 11,0%; p = 0,038).

Schlussfolgerung: Die Katheterisierungsart bei ABP spiegelt unterschiedliche klinische Situationen wider: SC wurde bei Patienten mit höherem Restharn und Abszessen bevorzugt angewandt, TC hingegen bei ausgeprägter systemischer Entzündung. Trotz vergleichbarer Krankenhausaufenthalte war TC mit weniger frühen Wiederaufnahmen assoziiert, während Patienten mit SC häufiger spätere subvesikale Desobstruktionen erfuhren. Die Wahl der Katheterisierung spiegelt somit vor allem die Krankheitsausprägung wider, kann jedoch auch den weiteren Verlauf beeinflussen. Prospektive Studien sind erforderlich, um optimale Strategien in der ABP-Therapie zu definieren.