71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Multizentrische Real-World-Studie zur Effektivität und Toxizität von Ipilimumab und Nivolumab beim metastasierten Nierenzellkarzinom (GUARDIANS)
Text
Einleitung: Ipilimumab und Nivolumab wurde 2018 in der Erstlinienbehandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms (mRCC) mit intermediärem/ungünstigem IMDC-Risiko zugelassen (CheckMate214).
Material und Methoden: Wir analysierten retrospektiv die Wirksamkeit und Sicherheit von Ipilimumab und Nivolumab sowie Folgetherapien in einer multizentrischen (n = 17) Kohorte. Dabei wurden demografische und klinische Merkmale erfasst und die Ansprechrate (ORR), das progressionsfreie Überleben (PFS), das Gesamtüberleben (OS) sowie unerwünschte Ereignisse (AE) nach verschiedenen Subgruppen evaluiert und Prädiktoren für ein Therapieansprechen identifiziert.
Ergebnisse: Von 356 eingeschlossenen Patienten mit einem medianen Alter von 64 Jahren waren 69,1% männlich. 14,3% hatten einen ECOG ≥ 2, 74,2% eine klarzellige Histologie. In 61,8% lag ein intermediäres, in 28,6% ein ungünstiges IMDC-Risiko vor. 37,1% erfüllten nicht die Einschlusskriterien der Zulassungsstudie, u.a. aufgrund eines hohen ECOG Status oder Komorbiditäten. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 17,5 Monate. 55,3% erhielten alle vier Zyklen der Induktionstherapie, zum Zeitpunkt der Auswertung bekamen noch 16,3% Nivolumab. In der Gesamtkohorte lag die ORR bei 37,4% (CR 8,7%, PR 28,7%), das mediane PFS bei 9 Monaten (95%CI 6,4–11,6) und das mediane OS bei 39 Monaten (95%CI 27,4–50,7). Patienten bei denen eine nicht-klarzellige Histologie, Komorbiditäten, ein schlechter Allgemeinzustand, eine inkomplette Induktionstherapie und gewisse Metastasenmuster vorlagen, zeigten ein signifikant schlechteres Therapieansprechen. AEs traten bei 76,4% der Patienten auf, davon 35,4% ≥ Grad 3 nach CTCAE. Häufige AEs waren Fatigue (22,8%), erhöhte Transaminasen (19,1%), Exantheme (18,5%) und Diarrhoen (14,9%). 27,2% erhielten hochdosierte Kortikosteroide. Ipilimumab wurde in 24,7% und Nivolumab in 16% der Fälle aufgrund von AEs abgesetzt. Eine Zweitlinientherapie wurde bei 51,1% der Patienten eingeleitet, davon erhielten 63,4% Cabozantinib. Diese Patienten wiesen ein signifikant längeres medianes OS und PFS im Vergleich zu anderen Zweitlinien auf (38 vs. 16 Monate, p = 0.003 bzw. 15 vs. 7 Monate, p = 0.013).
Schlussfolgerung: Die Real-World Ergebnisse unterstützen die Verwendung von Ipilimumab und Nivolumab in der Erstlinientherapie beim mRCC mit guter Wirksamkeit und kontrollierbaren AEs. Nach Progression legen unsere Daten eine Verwendung (off-label) von Cabozantinib nahe.



