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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Der Einfluss der PSMA-PET/CT auf die Behandlung des Prostatakarzinoms – wie verändert sie den therapeutischen Verlauf?

Christopher Orf - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Olivia Wagner - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Analena Handke - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Henning Bahlburg - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Sebastian Berg - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Peter Bach - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Joachim Noldus - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Florian Roghmann - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland
Karl Tully - Marien Hospital Herne, Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland

Text

Einleitung: Die PSMA-PET-Bildgebung hat sich als zentraler Bestandteil der Diagnostik bei lokalisiertem Prostatakarzinom (PCa) und biochemischem Rezidiv (BCR) nach kurativer Therapie etabliert. Durch ihre höhere Sensitivität ermöglicht sie in einigen Patienten die Diagnose einer metastasierten Erkrankung, die in der konventionellen Bildgebung möglicherweise übersehen würde. Ziel dieser Studie war die Untersuchung des Einflusses der PSMA-PET-Bildgebung auf den Therapieverlauf – insbesondere den Wechsel zwischen kurativem und palliativem Vorgehen – bei Patientinnen und Patienten mit PCa oder BCR.

Methoden: Retrospektiv wurden Daten von 161 Patienten ausgewertet, die sowohl ein PSMA-PET/CT als auch eine konventionelle Bildgebung (CT-Abdomen, Knochenszintigrafie) erhielten. Es erfolgte eine Stratifizierung der Kohorte in zwei Gruppen: „neu diagnostiziertes PCa“ und „BCR“. Verglichen wurden Detektionsraten von Metastasen zwischen beiden Verfahren sowie der Anteil an Fällen, in denen die PSMA-PET-Bildgebung a) das Therapieregime (z.B. Wechsel zwischen OP und Radiotherapie bzw. zwischen kurativem und palliativem Ansatz) und b) das Behandlungssetting (kurativ vs. palliativ) veränderte. Es erfolgte eine multivariable logistische Regressionsanalyse zur Identifikation prädiktiver Faktoren für PSMA-PET-positive Befunde.

Ergebnisse: Von 161 Patientinnen und Patienten wiesen 142 (88,2%) ein neu diagnostiziertes PCa auf, davon 101 (71,1%) ein Hochrisikoprofil; 19 (11,8%) wiesen ein BCR auf. Insgesamt führte die PSMA-PET-Bildgebung in 66,7% zu einer Änderung der Therapieplanung; bei 25% erfolgte ein Wechsel hin zu einem palliativen Konzept. Bei neu diagnostizierten Fällen zeigte das PSMA-PET deutlich mehr Lymphknoten- (47% vs. 8%; p = 0,007) und Knochenmetastasen (26% vs. 3,5%; p = 0,002) als konventionelle Verfahren. In der BCR-Gruppe wurden zusätzliche Lokalrezidive (42,1%), Lymphknoten- (52,6%) und Knochenmetastasen (15,8%) detektiert. In der Hochrisiko-Subgruppe konnten keine unabhängigen Prädiktoren für PSMA-PET-positive Befunde identifiziert werden.

Schlussfolgerung: PSMA-PET zeigt eine deutlich höhere Detektionsrate extraprostatischer Läsionen als konventionelle Bildgebung und führte in zwei Dritteln der Fälle zu einer Therapieanpassung, bei einem Viertel zu einem Wechsel ins palliative Setting. Da keine unabhängigen Prädiktoren identifiziert wurden, sollte daher bei Hochrisikopatienten grundsätzlich eine PSMA-basierte funktionelle Bildgebung erfolgen.