Logo

71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Minimalinvasive lymphatische Embolisation – ein Game Changer in der Behandlung therapieresistenter pelviner Lymphozelen nach Prostatektomie?

Philipp Krausewitz - Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
Thomas Büttner - Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
Rebecca Wallenwein - Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
Jan Frederic Lau - Universitätsklinikum Bonn, Institut für Pathologie, Bonn, Deutschland
Julian Luetkens - Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Bonn, Deutschland
Manuel Ritter - Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
Claus Chrisian Pieper - Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Bonn, Deutschland

Text

Einleitung: Für die minimalinvasive Behandlung symptomatischer pelviner Lymphozelen infolge persistierender lymphatischer Leckagen nach radikaler Prostatektomie (RPE) stehen bislang nur wenige Optionen zur Verfügung. Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit der lymphangiographisch gesteuerten Embolisation sowie deren Einfluss auf die Lebensqualität zu evaluieren.

Methode: Es wurde eine monozentrische Analyse von 30 Patienten mit anhaltender Lymphorrhö nach RPE durchgeführt, die trotz suffizienter Drainage fortbestand. Eine aktive Leckage wurde mittels Lymphangiographie bestätigt und durch selektive Embolisation der betroffenen Lymphgefäße behandelt. Der primäre Endpunkt war der klinische Erfolg, definiert als Sistieren der Lymphproduktion mit Entfernung der Drainage sowie dem Ausbleiben eines Rezidivs. Patientenberichtete Ergebnisse zu postinterventionellen Beschwerden wurden mithilfe eines strukturierten Fragebogens erhoben.

Ergebnisse: Die klinische Erfolgsrate lag insgesamt bei 90% (27/30). Bei 24 Patienten (80%) wurde der Erfolg bereits nach einer Embolisation erreicht, bei drei weiteren (10%) nach einem zweiten Eingriff. Die mediane Zeit bis zur vollständigen Rückbildung betrug 4 Tage (Spanne 1–27). Die Therapieversager konnte alle mittels laparoskopischer Fenestration erfolgreich behandelt werden; weitere operative Maßnahmen waren nicht erforderlich. Follow-up-Daten lagen für 25 Patienten vor (median 19 Monate, Spanne 5–99). Vorübergehende Schmerzen traten bei 28% auf, wobei lediglich 16% eine medikamentöse Therapie benötigten. Ein temporäres Ödem der unteren Extremitäten fand sich bei 59% der Patienten für eine mediane Dauer von 3 Monaten (Spanne 1–12), die allesamt konservativ behandelt werden konnten. Zum Zeitpunkt der letzten Nachsorge berichtete kein Patient über persistierende Schmerzen oder eine relevante Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Schlussfolgerungen: Die selektive lymphatische Embolisation zur Therapie therapieresistenter lymphatischer Leckagen nach RPE zeigt eine hohe Wirksamkeit bei geringer Morbidität. Obwohl Ödeme der unteren Extremitäten häufig auftreten, ist deren Einfluss auf die Lebensqualität gering. Die Ergebnisse unterstützen die Embolisation als eine minimalinvasive, sichere und endgültige Behandlungsoption für symptomatische, therapierefraktäre Lymphozelen.