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70. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
03.-04.04.2025
Münster

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Meeting Abstract

Der Nutzen präoperativer Diagnostik vor radikaler Nephroureterektomie bei Verdacht auf Urothelkarzinome des oberen Harntraktes

Vincent Hoffmann 1
Martina Dellino 1
Henning Bahlburg 1
Moritz Reike 1
Peter Bach 1
Joachim Noldus 1
Florian Roghmann 1
Karl Tully 1
1Marien Hospital Herne, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neurourologie, Herne, Deutschland

Text

Einführung: Sowohl retrospektive als auch prospektive Daten deuten darauf hin, dass Patienten mit Verdacht auf ein Urothelkarzinom des oberen Harntraktes (UTUC) von einer neoadjuvanten Chemotherapie (NAC) profitieren können. Ein Hindernis für die breite Anwendung der NAC bei lokal fortgeschrittenem UTUC ist die Unsicherheit hinsichtlich der diagnostischen Sicherheit der verwendeten Diagnostika. Ziel dieser Studie war es, die präoperativen diagnostischen Ergebnisse von Patienten mit Verdacht auf UTUC zu untersuchen und deren prädiktiven Wert im Hinblick auf die tatsächlichen histopathologischen Befunde zum Zeitpunkt der Operation (RNU) zu evaluieren.

Methode: Es erfolgte die retrospektive Analyse von 115 Patienten, die bei Verdacht auf UTUC eine RNU ohne vorherige NAC erhielten. Wir untersuchten den präoperativen Einsatz verschiedener diagnostischer Verfahren (CT, Urinzytologie und endoskopischen Biopsien). Anschließend analysierten wir ihren prädiktiven Wert bei der Erkennung von lokal fortgeschrittenem (d.h. ≥pT2) Tumoren. Mittels multivariabler logistischer Regressionsanalyse wurde die Assoziation von präoperativen Befunden und der endgültigen Histologie bei RNU evaluiert.

Ergebnisse: Von den 115 Patienten erhielten 41,7% eine RNU ausschließlich aufgrund der Befunde der Schnittbildgebung, von denen 30 eine vorherige endourologische Diagnostik ohne Hinweise auf UTUC erhalten hatten (62,5%). Bei 58,1% (n=43/73) der Patienten, die vor RNU eine endoskopische Diagnostik durchlaufen hatten, konnte ein UTUC histologisch (d.h. durch positive Zytologie oder Biopsie) gesichert werden. Dies resultiert in falsch negativen Befunden bei 71,4% aller Urinzytologien, 41,9% aller Biopsien und 40% bei Anwendung beider Verfahren. Zum Zeitpunkt der RNU wurde bei 64,4% der Patienten ein lokal fortgeschrittenes Tumorstadium diagnostiziert. In der logistischen Regression war einzig die Tumorgröße im CT mit fortgeschrittenem Tumorstadium assoziiert (OR 4,94, 95%CI 1,26 – 19,4, p=0,022) (ROC-Analyse: cut-off 1,9 cm, AUC 0,76).

Schlussfolgerung: In dieser Kohorte von Patienten, die eine RNU aufgrund eines Verdachts auf UTUC erhielten, war ausschließlich die Tumorgröße in der Schnittbildgebung mit einem fortgeschrittenen Tumorstadium assoziiert. Da es keine falsch-positiven CT-Befunde gab, könnten unsere Ergebnisse den Einsatz einer RNU und einer vorherigen NAC bei Patienten mit Verdacht auf fortgeschrittenes UTUC ohne vorherige histologische Bestätigung von UTUC rechtfertigen.