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Jahrestagung Kinderurologie 2026


16.-17.01.2026
Mainz

Meeting Abstract

Case Report: Transurethrale Bergung magnetischer Fremdkörper mittels magnetischem Katheter – wenn das Problem zur Lösung wird

Sigurd Seitz - Urologische und Kinderurologische Klinik, Sektion Kinderurologie, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Deutschland
Barbara Nübel - Urologische und Kinderurologische Klinik, Sektion Kinderurologie, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Deutschland
Frederike Bieling - Kinderchirurgische Abteilung, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Deutschland
Karin Hirsch-Koch - Urologische und Kinderurologische Klinik, Sektion Kinderurologie, Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Deutschland

Text

Einleitung: Urethral eingeführte Fremdkörper sind ein Klassiker der Urologie, wenn auch eher eine Seltenheit in der Kinderurologie. Das transurethrale Management der Fremdkörperbergung stellt hierbei oft eine Herausforderung dar. Wir berichten über eine alternative Bergungsmöglichkeit, unter Einsatz der Fremdkörper selbst.

Fallbericht: Wir berichten von einem 12-jährigen Patienten, der sich 18 Magnetkugeln (Durchmesser 3 mm) in die Harnröhre eingeführt hat. Die Vorstellung erfolgte bei Harnverhalt in Begleitung der Mutter. Die Kugeln ließen sich palpatorisch und röntgenologisch in der proximal penilen Harnröhre lokalisieren. Eine manuelle Mobilisation war aufgrund einer Konglomeratbildung nicht möglich.

In Vollnarkose erfolgte ein transurethraler Bergeversuch. Die Kugeln ließen sich jedoch weder mit Fremdkörperfasszange, noch mit Schlingenkörbchen sicher fassen. Es kam zu einer Dislokation der Magnetkugeln nach intravesikal. Um eine Sectio alta zu vermeiden, erfolgte als Ultima ratio der Versuch die Magnetkugeln magnetisch zu bergen. Es wurden hierfür Magnetkugeln sorgfältig gereinigt und desinfiziert. 4 Kugeln wurden distal in einen Charr. 14 Nephrostomie-Katheter eingebracht. Durch die Verwendung mehrerer Magnete in Serie wurde eine stabile magnetische Bindung zwischen Katheter und Fremdkörper erreicht. Das Konglomerat aus Magnetkugeln wurde in der Blase angedockt und in die penile Harnröhre geführt. Hier wurde durch externe Manipulation das Konglomerat geteilt und die Kugeln mittels Katheter externalisiert.

Eine abschließende Urethrozystoskopie zeigte die vollständige Entfernung aller Fremdkörper, sowie keine relevante Läsion der Harnröhre. 6 Wochen postoperativ präsentierte sich der Patient mit unauffälliger Harnstrahlmessung, restharnfreier Blasenentleerung und subjektivem Wohlbefinden.

Diskussion: Neodym-Magnetkugeln sind ein zunehmend verbreitetes und populäres Spielzeug. Es häufen sich urologische Case Reports zu Magnetkugeln als Fremdkörper im Urogenitaltrakt. In vielen Fällen ist eine offen chirurgische Entfernung der Magneten aus Harnröhre oder Blase notwendig.

Am Markt erhältliche magnetische Katheter können zwar den Kontakt zum Fremdkörper herstellen, aber binden in der Regel nicht stark genug um diesen zu manipulieren. Durch Addition von Magnetkugeln in Serie kann das Magnetfeld hierfür ausreichend verstärkt werden. Zudem stabilisieren sich die Magneten gegenseitig im Katheter, der kumulative Widerstand vermeidet eine Dislokation. Es handelt sich um ein individuelles Vorgehen, dessen standardisierte Umsetzung in einem Medizinprodukt geprüft werden müsste.