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Jahrestagung Kinderurologie 2026


16.-17.01.2026
Mainz

Meeting Abstract

Spina bifida und Blasenfunktion: Patienteninformation im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz

Jonathan Aichner - Great Ormond Street Hospital, London, Großbritannien
Susan Maestri - Great Ormond Street Hospital, London, Großbritannien
Ganesh Vythilingam - Great Ormond Street Hospital, London, Großbritannien

Text

Fragestellung: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Gesundheitsinformation wächst rasant [1]. Bei Patienten mit Spina bifida ist die verlässliche Aufklärung zur Blasenfunktion entscheidend [2] – doch ob klassische Patienteninformationsbrochüren noch zeitgemäß sind, wie oft Patient*innen bereits KI nutzen und ob überhaupt noch Bedarf an gedruckten Broschüren besteht, ist unklar.

Material und Methoden: 213 Familien, die in einer spezialisierten Klinik für Spina bifida betreut werden, erhielten eine neu entwickelte Patienteninformationsbroschüre sowie einen standardisierten Fragebogen zur Evaluation von Verständlichkeit, Relevanz und Nutzen. Zusätzlich wurden das aktuelle Nutzungsverhalten von KI und die wahrgenommene Bedeutung klassischer Informationsbroschüren im digitalen Zeitalter erfasst.

Ergebnisse: 19 Familien nahmen an der Befragung teil (medianes Patientenalter: 6 ± 4 Jahre). Die Broschüre wurde von 89,5 % als leicht verständlich, von 73,7 % als relevant und von 94,7 % als unverzichtbar bewertet. 84,2 % der Teilnehmenden nutzten Onlinemedien, überwiegend Suchmaschinen, zur Informationssuche. Informationsbroschüren anderer Kliniken wurden von 43,8 % konsultiert, KI-basierte Angebote hingegen nur von 12,5 %. 63,2 % bewerteten die online erhaltenen Informationen als ähnlich relevant, jedoch empfanden 84,2 % die Broschüre als hilfreicher zum Verständnis der Blasenfunktion und des -managements ihrer Kinder. 68,4 % fühlten sich durch die Broschüre besser unterstützt und 94,7 % gaben an, dass durch die Brochüre alle wichtigsten Fragen beantwortet wurden. Besonders hilfreich wurden Inhalte zu Blasenmanagement, Therapiemöglichkeiten und Behandlungszeitpunkten bewertet. Nur 10,5 % vertrauten Onlinemedien in ähnlichem Maße wie Broschüren. Alle Familien befürworteten weiterhin die Bereitstellung von Patienteninformationsbroschüren, sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form.

Schlussfolgerung: Trotz zunehmender Nutzung digitaler Informationsquellen bleibt die klassische Patienteninformationsbroschüre ein unverzichtbares Instrument der Patientenaufklärung, vor allem bei Erkrankungen wie Spina bifida. Sie vermittelt betroffenen Familien ein höheres Maß an Sicherheit, Vertrauen und Verständnis als KI-gestützte oder allgemein verfügbare Onlineinformationen


References

[1] Wang F, Preininger A. AI in Health: State of the Art, Challenges, and Future Directions. Yearb Med Inform. 2019 Aug;28(1):16-26. DOI: 10.1055/s-0039-1677908
[2] Wutzlhofer V, Mildner S, Seebacher B. Family and patient education for children with spina bifida: A qualitative study. Health Education Journal. 2025;84(8):871-884. DOI: 10.1177/00178969251364963