Jahrestagung Kinderurologie 2026
Jahrestagung Kinderurologie 2026
Vergleich der Komplikationen nach TIP und GTIP-Urethralplastik bei distaler bis proximaler Hypospadie: Eine retrospektive Kohortenstudie
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Fragestellung: Die TIP-Technik („tubularized incised plate“) ist die Standardtechnik für die primäre Korrektur von distalen und mittleren Hypospadien. Bei anatomisch ungünstigen Urethralplatten wurde eine Modifikation mit Verwendung eines dorsalen Vorhautinlays („grafted TIP, GTIP) vorgeschlagen, um Meatusstenosen oder Fisteln zu reduzieren. Unklar ist jedoch, wann eine GTIP Vorteil bringt. In unserer Studie vergleichen wir die Ergebnisse von TIP und GTIP nach standardisiertem Vorgehen.
Materialien und Methoden: Wir haben retrospektiv Jungen untersucht, die zwischen 2012 und 2022 in der Cnopfschen Kinderlinik eine primäre, einzeitige Korrektur einer distalen, Mittschaft- oder proximalen Hypospadie erhielten. TIP war die Standardmethode; GTIP wurde selektiv angewendet, wenn die Harnröhrenplatte < 8 mm breit und dysplastisch war bzw. eine tiefe Inzision in das Corpus spongiosum für eine spannungsfreie Tubularisierung erforderlich war. Es wurden nur Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von ≥ 6 Monaten einbezogen.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 146 Kinder einbezogen (107 TIP, 39 GTIP). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 26,6 Monate. Eine Fistel entwickelte sich bei 20,4 % gegenüber 12,8 %, eine Meatusstenose bei 9,3 % gegenüber 10,3 % und eine Glans-Dehiszenz bei 4,7 % gegenüber 7,7 %. Die Ergebnisse waren nicht signifikant unterschiedlich. GTIP war mit einer längeren Operationszeit (127 gegenüber 95 Minuten) und Katheterisierung (14 gegenüber 10 Tagen) verbunden, aber der Krankenhausaufenthalt war identisch (2,3 Tage).
Schlussfolgerung: In dieser Kohorte erzielten TIP und GTIP trotz negativer Selektion für GTIP vergleichbare Ergebnisse. GTIP scheint das Risiko bei anatomisch ungünstigen Verhältnissen/schmalen Urethralplatten auszugleichen, anstatt die Standard-TIP zu übertreffen. TIP sollte die Standardmethode bleiben, während die GTIP für Patienten mit schmalen oder dystrophischen Urethralplatten vorbehalten bleiben sollte.



