Jahrestagung Kinderurologie 2026
Jahrestagung Kinderurologie 2026
Was hat sich nach Einführung des § 1631e Behandlung von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung bei der Korrektur von penoscrotalen und perinealen Hypospadien deutschlandweit verändert?
Text
Fragestellung: Im Mai 2021 ist der § 1631e über die Behandlung von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung Gesetz geworden. Seitdem besteht eine Verunsicherung, in wie weit Jungen mit penoscrotalen und perinealen Hypospadien vor einer Operation ein Urteil eines Familiengerichtes benötigen. In dieser Studie soll untersucht werden, wie sich das Alter bei der Korrekturoperation der Harnröhre verändert hat.
Material und Methode: Das InEK veröffentlicht jährliche und unterjährige kumulative Statistiken zu den in Deutschen Krankenhäusern durchgeführten Eingriffen. Diese Statistiken wurden für die Jahre 2019-2024 für Patienten <18 Jahre analysiert. Alle Fälle wurden eingeschlossen, bei denen als Hauptdiagnose der ICD-Code Q54.2 oder Q54.3 und bei denen eine der folgenden Prozeduren vorlag: 5-645.0 oder 5-568.2*. Bei den penoscrotalen Hypospadie-Korrekturen wurden die Reoperationen abgezogen, bei den perinealen Hypospadien lagen zu wenige Fälle für eine separate Betrachtung vor.
Ergebnisse: In den Jahren 2019-2024 wurden insgesamt 1.718 primäre Harnröhrenrekonstruktionen (HR) und 88 Reoperationen bei Kindern mit penoscrotaler und 515 HR bei Kindern mit perinealer Hypospadie durchgeführt.
Der Anteil der Kinder, die vor dem 3. Lebensjahr operiert wurden, sank bei den primären penoscrotalen Hypospadie-Korrekturen von 78,4% 2019 auf 73,9% 2021 und 61,4% 2024. Bei den perinealen Hypospadie-Korrekturen von 85,3% 2019 auf 73% 2021 und 53,6% 2024.
Die mittlere Verweildauer sank bei den primären penoscrotalen Hypospadie-Korrekturen von 7,8 Tagen 2019 auf 6,8 Tage 2024, bei den Reoperationen von 8,3 auf 7,9 Tage und bei den perinealen Hypospadie-Korrekturen von 8,1 auf 6,2 Tage.
Schlussfolgerung: In den letzten Jahren ist es zu einem deutlichen Anstieg des Alters bei der Harnröhrenkorrektur gekommen. Dieser Anstieg hatte bereits vor der Gesetzesänderung begonnen, war danach aber deutlicher ausgeprägt.



