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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

HbA1c 12,6% am Freitagnachmittag – was tun? Pragmatische und nachhaltige Insulintherapie beim Typ-2-Diabetes in der Hausarztpraxis: mit Humaninsulin sicher initiieren, gezielt eskalieren und konsequent deeskalieren

Bernardo Mertes - MVZ CCB, Diabetes-Schwerpunktpraxis, Deutschland
Sybille Gödde - MVZ CCB, Diabetes-Schwerpunktpraxis, Deutschland
Stephan Fuchs - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland; Hausarztpraxis, Deutschland
Hafida EL Bali - MVZ CCB, Diabetes-Schwerpunktpraxis, Deutschland
Kathrin Kranz - MVZ CCB, Diabetes-Schwerpunktpraxis, Deutschland
Til Uebel - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland; Hausarztpraxis, Deutschland

Text

Hintergrund: Der Start einer Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes (T2D) stellt in der Hausarztpraxis eine Herausforderung dar: Oft wird sie delegiert oder unter Zeitdruck begonnen. Gleichzeitig besteht eine Fehl- und Überversorgung, mit einem überproportionalen Einsatz von Analoga und komplexer Therapieformen bei unzureichender Nutzung einfacher, leitliniengerechter Strategien. Die NVL empfiehlt hingegen eine strukturierte, schrittweise Eskalation sowie eine Deeskalation bei Übertherapie. Neben strukturellen Rahmenbedingungen tragen praktische Unsicherheiten im Umgang mit Insulin zur Versorgungslücke bei und machen ein praxisnahes Fortbildungsangebot erforderlich.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel des Workshops ist es, Hausärzt:innen ein unmittelbar umsetzbares und leitliniengerechtes, nachhaltiges Vorgehen zur Insulintherapie beim T2D zu vermitteln – von der Initiation über die Eskalation bis zur Deeskalation ohne Verwendung von Analoga. Als Ausgangspunkt dient eine hausärztliche Entscheidungssituation.

Diskussionspunkt: Der Workshop adressiert praxisnahe Implementierungsstrategien für die strukturierte Versorgung in der Hausarztpraxis. Diskutiert werden Möglichkeiten der Integration in bestehende Versorgungsstrukturen sowie Kooperationen mit Krankenkassen. Ergänzend werden gesundheitsökonomische Effekte beleuchtet, insbesondere Einsparpotenziale durch die Vermeidung stationärer Aufnahmen zur Insulineinstellung.

Zielgruppe: Hausärztinnen und Hausärzte, Ärzt:innen in Weiterbildung Allgemeinmedizin sowie medizinische Fachangestellte/Praxisteams mit Bezug zur Diabetesversorgung.

Didaktische Methode/n: Der 90-minütige Workshop ist interaktiv und fallbasiert. Ausgangspunkt ist eine typische hausärztliche Entscheidungssituation („HbA1c 12,6% am Freitagnachmittag“), die in Kleingruppen bearbeitet und im Plenum reflektiert wird. Die Ergebnisse werden mit einem strukturierten, praxiserprobten Behandlungskonzept („Frankfurter Modell“) abgeglichen. Praktische Trainingsstationen zu Insulininjektion, Blutzuckermessung und Hypoglykämiemanagement ermöglichen ein angeleitetes Üben zentraler Fertigkeiten. Der Fall wird longitudinal weitergeführt, um Strategien der Therapieeskalation und -deeskalation praxisnah zu erarbeiten.

Take Home Message für die Praxis: Eine leitliniengerechte Insulintherapie bei T2D ist in der Hausarztpraxis praktikabel und ohne Analoga umsetzbar. Strukturierte, einfach anwendbare Algorithmen, praktische Schulung und versorgungsnahe Konzepte ermöglichen eine sichere Initiation, vermeiden Übertherapie und sind nachhaltig durch Vermeidung von Hospitalisierungen.

Geschätzte Anzahl Teilnehmern/innen: 25–30 Teilnehmende

Kurzvorstellung des/r Workshop-leitenden Person/en: Facharzt für Innere Medizin und niedergelassener Diabetologe, 2. Sprecher der AG Diabetes der DEGAM

Interessenkonflikte: Keine


References

[1] Mertes B, et al. Leitliniengerechte Verordnung von Insulin bei Typ-2-Diabetes – eine Analyse von Abrechnungsdaten der Allgemeinen Ortskrankenkasse Hessen. Dtsch Arztebl International. 2026;9:235. DOI: 10.3238/arztebl.m2026.0009
[2] Mertes B, et al. Successful Treatment with Bedtime Basal Insulin Added to Metformin without Weight Gain or Hypoglycaemia over Three Years. J Clin Med. 2020; 9:1153. DOI:10.3390/jcm9041153
[3] Mertes B, et al. Insuline – quo vadis? „Innovative Insuline“ statt Humaninsuline? In: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, editor. 59. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Hannover, 01.-03.10.2025. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2025. DocSYM-05-01. DOI: 10.3205/25degam333