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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Kommunikation zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen im Rahmen des Entlassmanagements – eine explorative Routinedatenanalyse

Dorothea Lemke - aQua-Institut, Deutschland
Thorsten Pollmann - aQua-Institut, Deutschland
Sveja Litzkendorf - aQua-Institut, Deutschland
Gerald Willms - aQua-Institut, Deutschland
Björn Broge - aQua-Institut, Deutschland

Text

Hintergrund: Krankenhausentlassungen bergen das Potenzial für Versorgungsbrüche, insbesondere bei Erkrankungen mit komplexen Versorgungsbedarfen. Das Entlassmanagement (EM) soll eine kontinuierliche und bedarfsgerechte Versorgung durch eine strukturierte und sichere Weitergabe versorgungsrelevanter Informationen sicherstellen.

Zielsetzung/Fragestellung: Kommunikationsprozesse zwischen Krankenhäusern (KH) und Krankenkassen (KK) bei Verordnungen genehmigungspflichtiger Leistungen (Pflege, Reha, Hilfs- und Heilmittel sowie häusliche Krankenpflege (HKP)) werden anhand von GKV-Routinedaten explorativ untersucht. Im Fokus steht, inwiefern sich verschiedene Patientengruppen hinsichtlich eines erfolgreichen EM unterscheiden.

Material & Methoden: Es wurden BKK-Routinedaten für die Jahre 2021 bis 2023 untersucht. Zur Abbildung der Kommunikation zwischen KH und KK wurden verschiedene Erfolgskriterien definiert, die den Zeitraum zwischen Verordnung im KH und Leistungsbeginn operationalisieren. Anhand verschiedener Diagnosen und Prozeduren wurden Patientengruppen definiert, die eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein erweitertes EM haben. Die Auswertung erfolgte deskriptiv.

Ergebnisse: Insgesamt konnten 948.279 KH-Fälle analysiert werden. Davon hatten 2,4% der Fälle eine stationäre Frührehabilitation, 2,5% eine medizinische Rehabilitation, 7,4% einen Antrag auf Pflegegradeinstufung und 6,7% eine Hilfsmittel-Verordnung im Kontext des KH-Aufenthaltes. Bei 92% (Frühreha) und 86,4% (med. Reha) der Fälle erfolgte der Leistungsbeginn innerhalb von 14 Tagen nach Entlassung. Bei der Pflegegradversorgung hatten 74,2% eine Neu- bzw. Höhereinstufung innerhalb von 90 Tagen nach Entlassung. Heilmittel und HKP wurden nur selten (<50 Fälle) stationär verordnet. Fälle mit einer chronischen Diagnose hatten einen früheren Leistungsbeginn bei der Frühreha, aber einen späteren Beginn bei medizinischer Reha, Hilfsmitteln oder Pflegegradeinstufung im Vergleich zu operativen Fällen.

Diskussion: Bei Heilmitteln und HKP ist eine Verschiebung in den ambulanten Sektor sichtbar, da hier oft eine längerfristige Versorgung nötig ist. Der verzögerte Leistungsbeginn bei chronischen Erkrankungen im Vergleich zu operativen Fällen ist wahrscheinlich der Komplexität des Versorgungsbedarfes chronischer Erkrankungen geschuldet, während die Versorgungspfade bei operativen Eingriffen stärker standardisiert sind.

Take Home Message für die Praxis: Die Ergebnisse legen nahe, dass chronisch-erkrankte Patienten im EM ein erhöhtes Risiko für verzögerte Versorgungsübergänge aufweisen.

Interessenkonflikte: Keine