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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Landarztquoten-Studierende in Bayern – eine qualitative Interviewstudie zu Selbstwahrnehmung, Herausforderungen und Unterstützungsbedarfen

Maike Krauthausen - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Veronika Deyerl - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Lisa Wingender - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Pamina Hagen - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Anne Simmenroth - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Seit Einführung der „Landarztquote“ (LAQ) im Wintersemester 2020/21 haben in Bayern 571 Studierende ein Medizinstudium darüber aufgenommen; zum Wintersemester 2025/26 kommen bis zu 172 weitere hinzu. Mit Erhalt eines Studienplatzes verpflichten sich diese Studierenden, nach der Facharztweiterbildung für zehn Jahre primärärztlich in unterversorgten Regionen tätig zu sein. Erste Studien zeigen spezifische Herausforderungen zu Studienbeginn (z. B. Wiedereinstieg ins Lernen, Erwerbstätigkeit, First-Generation-Status).

Zielsetzung: Ziel ist es, die Motivation der Studierenden für ein Studium über die LAQ zu beschreiben und die subjektiven Herausforderungen und möglichen Unterstützungsbedarfe im Studienalltag zu erfassen.

Methoden: Von Oktober bis November 2025 wurden 32 semi-strukturierte Leitfadeninterviews mit LAQ-Studierenden aller bayerischen Universitätsstandorte über Zoom durchgeführt, die sich zuvor in einer Online-Befragung dazu bereit erklärt hatten. Die audioaufgezeichneten Daten wurden computergestützt mit MAXQDA verbatim transkribiert und anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2024) von einem interdisziplinären Team ausgewertet.

Ergebnisse: Zentrale Themen waren Zukunftsunsicherheit, Informationsdefizite, unterschiedliche Wahrnehmungen des LAQ-Status und Vernetzungsbedarfe. LAQ-Studierende beschreiben Unsicherheiten über die Vorgaben nach Studienabschluss und Facharztweiterbildung. Insbesondere fehlten transparente, früh verfügbare Informationen zur Umsetzung der Verpflichtungen. Der LAQ-Status wird unterschiedlich erlebt: von „Studium ist für alle gleich“ bis hin zu Nachteilen wie erschwertem Wiedereinstieg ins Lernen, fehlender Orientierung im Studium und zusätzlicher Belastung durch Erwerbsarbeit. Lebens- und Berufserfahrung werden als Ressource zur Stressbewältigung und sicherem Patientenumgang genannt. LAQ-Studierende beschreiben eine hohe intrinsische Motivation.

Diskussion: Die heterogene Wahrnehmung des LAQ-Status weist auf unterschiedliche Ausgangslagen innerhalb dieser Gruppe hin und spricht für differenzierte Unterstützungsangebote. Insgesamt unterstreichen die Befunde die Bedeutung begleitender Maßnahmen, um die Studienbedingungen zu verbessern.

Take Home Message: Gezielte Unterstützungsangebote und Möglichkeiten zur Vernetzung für LAQ-Studierende sind erforderlich, um potentielle Nachteile zu Studienbeginn auszugleichen und die hohe intrinsische Studienmotivation weiter zu erhalten.

Interessenkonflikte:

MK und PEH: Stellenfinazierung aus Mitteln des BeLA-Projekts (Beste Landpartie Allgemeinmedizin) des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Präventon.

LW: Studium über die LAQ

VD: keine

AS: keine