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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Vermögen als zusätzliche Dimension von Sozioökonomischem Status in der Epidemiologie konzeptualisieren – Theorieentwicklung und erste empirische Ergebnisse zu einer vernachlässigten Determinante gesundheitlicher Ungleichheit

Theresa Herrmann - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle, Deutschland
Amand Führer - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle, Deutschland

Text

Hintergrund: Vermögen gilt wie Bildung, Beruf und Einkommen als soziale Determinante der Gesundheit und zeigt in Studien Zusammenhänge mit einer Vielzahl gesundheitlicher Endpunkte. Vermögen wird in der Epidemiologie in Deutschland jedoch kaum berücksichtigt, obwohl es deutlich ungleicher verteilt ist, als z. B. Einkommen. Heterogene Erhebungen von Vermögen limitieren die Vergleichbarkeit internationaler Studienergebnisse, zeitgleich fehlen theoretische Grundlagen.

Zielsetzung/Fragestellung: Wie kann Vermögen in epidemiologischen Studien valide erhoben und analysiert werden? Zur Beantwortung dieser Frage trägt diese Studie konzeptionelle Grundlagen zusammen und entwickelt sie für die Epidemiologie weiter.

Material & Methoden: Mittels interdisziplinärer Literaturrecherche wurden Definitionen und in Studien genutzte Operationalisierungen von Vermögen verglichen. Ansätze aus Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wurden in die epidemiologische Perspektive transferiert. Mittels Abduktion entstanden erklärende Hypothesen für inkonsistente und komplizierte Ergebnisse, die aktuell in einer Analyse von SOEP-Daten überprüft werden.

Ergebnisse: In epidemiologischen Studien werden meist Komponenten von Privatvermögen erhoben. Dafür sind zwei Akkumulationswege über die Lebenszeit relevant (lifecycle wealth und transgenerational wealth), die durch soziodemografische Faktoren modifiziert werden. Die erklärende Hypothese für inkonsistente Ergebnisse betrachtet Vermögen als multidimensionales Konstrukt mit unterschiedlichen gesundheitsrelevanten Dimensionen. Im Beitrag werden aktuelle Ergebnisse zur Überprüfung dieser Hypothese präsentiert.

Diskussion: Vermögen wird in interdisziplinärer Fachliteratur typischerweise als Netto-Haushaltsvermögen operationalisiert und nicht in einzelnen Komponenten berücksichtigt. Zusätzlich kann Vermögen über Privatvermögen hinaus auch z. B. als Privileg oder ökonomisches Kapital konzeptualisiert werden – diese Funktionen berücksichtigt der bisherige Ansatz noch nicht.

Take Home Message: Vermögen ist ein wichtiger sozioökonomischer Faktor für die Gesundheit und kann als zusätzlicher Indikator in Studien vor allem transgenerationale und kumulative Einflüsse auf Gesundheit abbilden. Die Erhebung und Analyse von Vermögen ist jedoch komplex und sollte aus einer intersektionalen Lebenslaufperspektive erfolgen. Der Beitrag wird erörtern, ob eine differenzierte Betrachtung einzelner Komponenten von Privatvermögen für ein Messinstrument empfehlenswert ist.

Interessenkonflikte: Keine