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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Aktuelle Empfehlungen zu Allergieprävention: Konsens und Divergenzen in internationalen Leitlinien

Katharina Sieferle - Pädagogische Hochschule Freiburg, Institut für Health Education und Health Research, Freiburg, Deutschland
Eva Maria Bitzer - Pädagogische Hochschule Freiburg, Institut für Health Education und Health Research, Freiburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Empfehlungen zu frühkindlicher Allergieprävention finden sich in klinischen Leitlinien und Ernährungsleitlinien, die Gesundheitsfachkräften als wichtige Orientierung dienen. Sie weisen jedoch oft methodische Schwächen, mangelnde Transparenz und mögliche Interessenkonflikte auf. Diese qualitativen Schwächen und Unterschiede in der Evidenzbewertungen führen teils zu widersprüchlichen Empfehlungen und können das Vertrauen in die Leitlinien beeinträchtigen.

Zielsetzung: Ziel ist es die Empfehlungen aktueller Leitlinien zu Allergieprävention zu vergleichen und Übereinstimmungen und Widersprüche in den Leitlinien zu identifizieren.

Methoden: Es wurden seit 2020 veröffentlichte Leitlinien zu Allergieprävention recherchiert und deren Empfehlungen zu Beikosteinführung, Stillen, Muttermilchersatzprodukten (Formula), Hautpflegeinterventionen, sowie zur Supplementierung mit Prä- und Probiotika extrahiert und analysiert.

Ergebnisse: 14 Leitlinien wurden eingeschlossen, 12 Leitlinien thematisieren Beikost, 11 Stillen, 9 Formula, 8 Prä-/Probiotika, und 4 Hautpflegeinterventionen.

Stillen wird grundsätzlich von allen Leitlinien empfohlen, meist jedoch nicht primär zur Allergieprävention, sondern aufgrund allgemeiner gesundheitlicher Vorteile. Formula wird nur empfohlen, wenn Stillen nicht möglich ist; hypoallergene Formula nur bei erhöhtem Allergierisiko und erwiesener Wirksamkeit in klinischen Studien.

Die meisten Leitlinien empfehlen mindestens 4 Monate ausschließliches Stillen, einige empfehlen jedoch 6 Monate; dementsprechend variiert auch der empfohlene Beikostbeginn in Leitlinien. Einige Leitlinien empfehlen, zwischen 4 und 6 Monaten mit Beikost zu beginnen, andere empfehlen erst nach dem 6. Monat Beikost einzuführen. Potentiell allergene Nahrungsmittel sollen mit Beginn der Beikost eingeführt werden, der genaue Zeitpunkt variiert je nach Nahrungsmittel und Leitlinie.

Bei Prä-/Probiotika sowie Hautpflegeinterventionen sprechen sich die meisten Leitlinien aufgrund unzureichender Evidenz gegen eine routinemäßige Anwendung zur Allergieprävention aus, oder geben keine eindeutige Empfehlung dazu ab.

Diskussion: Während grundlegende Empfehlungen zu Stillen und Beikost weitgehend konsistent sind, bestehen aufgrund unzureichender Evidenz mangelnde Klarheit und uneinheitliche Empfehlungen, insbesondere bei Prä- und Probiotika und bei Hautpflegeinterventionen. Dies kann zu Unsicherheiten in der Praxis führen.

Take Home Message: Regelmäßige Aktualisierungen von Leitlinien und eine transparente Evidenzdarstellung sind essenziell, um das Vertrauen in Leitlinien zu stärken und Unsicherheiten in der Praxis zu reduzieren.

Interessenskonflikte: Keine