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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Wie erleben die Patient:innen die Teilnahme an der Studie zum Sozialen Rezept?
Text
Zielsetzung: Welche Erkenntnisse zur Studienprozedur und zur Intervention ergeben sich aus einer qualitativen Befragung der beteiligten Patient:innen?
Material & Methode: Es wurden 20 Patient:innen aus beiden Gruppen der Hauptstudie qualitativ interviewt. Die Rekrutierung erfolgte in zwei Wellen. Für die erste Welle wurden die 17 ersten Patienten, die die Intervention abgeschlossen hatten, anhand von gezieltem, Convenience Sampling ausgewählt. Von diesen wurden neun Teilnehmende für Interviews rekrutiert. In der zweiten Kohorte konnten anhand von theoretischem Sampling 19 Teilnehmende ausgewählt werden. Nach weiteren elf Rekrutierungen wurde eine theoretische Sättigung erreicht. Die episodischen, leitfadenbasierten Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und pseudonymisiert. Die Auswertung erfolgte mittels thematischen Kodierens nach Uwe Flick.
Ergebnisse: Viele Patient:innen sehen die Hausarztpraxen neben Familien und Freunden als erste Ansprechpartner bei sozialen und psychischen Problemen. Einige der Teilnehmenden verbanden mit dem Sozialen Rezept die Erwartung an Hilfe bei einer Psychotherapieplatzsuche, der Beantragung eines Pflegegrads oder einer Reha. Die Rekrutierung durch die Hausarztpraxen wurde von den meisten Patient:innen als zeiteffizient und sehr helfend erlebt. In vereinzelten Fällen wurde von den Patienten berichtet, dass kein soziales Problem identifiziert oder angesprochen worden war. In wenigen Fällen wurde von den Patient:innen zwischen psychischen und sozialen Problemen unterschieden.
Die Link Worker:innen wurden von den Patient:innen als sehr bemüht, vertrauenswürdig und entlastend wahrgenommen. Als möglicher Wirkmechanismus wurde neben der Recherchearbeit die emotionale Unterstützung und Struktur durch die Link Worker:innen angegeben. Als Hürden wurden Probleme im Vermittlungsschritt von den Link Worker:innen an Angebote vor Ort beschrieben. Als mögliche Gründe hierfür wurde u.a. Terminschwierigkeiten, Zurückhaltung im sozialen Kontakt mit anderen und das Bedürfnis nach mehr Struktur durch Follow-Up-Termine mit den Link Worker:innen genannt.
Die Studienprozedur wurde von beiden Gruppen als angenehm wahrgenommen. Die Teilnehmenden empfanden bereits die Befragungen durch das Studienteam als emotional unterstützend. Teilweise wurde von Patient:innen angegeben, von den Hausarztpraxen und anderen Personen Unterstützung bei der Nutzung der Broschüre erhalten zu haben. Es gab keine Hinweise auf eine Kontamination durch Link Worker:innen.
Diskussion: Eine Anpassung der Praxis-Schulungen und ggf. mehr Selektivität bei der Praxisrekrutierung könnte die Zielgerichtetheit der Teilnehmendenrekrutierung weiter steigern. Hinweise auf bestehende Hürden im Vermittlungsschritt und potentielle Wirkmechanismen können die Link-Worker-Schulungen ergänzen. Die emotionale Unterstützung durch das Studienpersonal und Unterstützung im Umgang mit der Borschüre führen möglicherweise zu unterschätzten Effekten.
Interessenkonflikte: Keine



