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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Social Prescribing in der Hausarztpraxis – Machbarkeit und erste Ergebnisse einer gesundheitsökonomischen Evaluation
Text
Fragestellung: Das Ziel war es, die Machbarkeit einer studienbasierten gesundheitsökonomischen Evaluation zu untersuchen. Analysiert wurden die Einsetzbarkeit der Erhebungsinstrumente, die Datenverfügbarkeit sowie erste explorative Hinweise auf die Kosteneffektivität.
Methoden: Die ökonomische Evaluation war Bestandteil einer multizentrischen, offenen, individuell randomisierten (2:1) Machbarkeitsstudie in neun Hausarztpraxen in Berlin und Brandenburg. Eingeschlossen wurden Erwachsene mit mindestens einem nicht-medizinischen sozialen Bedarf (ICPC-3, Kapitel ZC). Die Interventionsgruppe erhielt eine Vermittlung an einen Link Worker, die Kontrollgruppe die erweiterte Regelversorgung (Informationsbroschüre). Aus gesellschaftlicher Perspektive wurden direkte und indirekte Kosten zu drei Zeitpunkten erhoben (Baseline, 3 und 6 Monate). Als gesundheitsökonomische Outcomes wurden qualitätsadjustierte Lebensjahre (QALYs bestimmt über EQ-5D-5L) und der ICECAP-A (Wohlbefinden im Sinne des Befähigungsansatzes) herangezogen. Die Kosteneffektivität wurde über den Net Monetary Benefit und das inkrementelle Kosten-Nutzwert-Verhältnis (ICUR) bestimmt. Die Analyse erfolgte nach dem ITT-Prinzip.
Ergebnisse: 188 Personen wurden randomisiert (Intervention: n=123, Kontrolle: n=65). Die Gruppen waren zu Baseline vergleichbar. 140 Personen füllten alle drei Fragebögen aus (75%). Der Anteil fehlender Werte betrug 33% und es gab keine vollständigen Fälle; eine Imputation war aufgrund des Fehlmechanismus nicht indiziert. EQ-5D-5L, ICECAP-A und die zur Dokumentation der Ressourceninanspruchnahme verwendeten Items etablierter Instrumente (u.a. FIMA, PECUNIA-RUM) erwiesen sich als grundsätzlich einsetzbar. Für einzelne Ressourcenbereiche (Krankentransport, teilstationäre Aufenthalte, stationäre Reha) wurde keine Inanspruchnahme verzeichnet. Die inkrementellen Kosten betrugen -202,81 Euro [95%-KI: -2.343,84-1.903,24], die inkrementellen QALYs 0,06 95%-KI: 0,02-0,10] und die inkrementellen Jahre in voller Befähigung (Years of Full Capability, YFC) 0,0563 95%-KI: 0,01-0,10]. Der ICUR betrug -3.579,32 Euro/zusätzlichem QALY sowie -3.599,71 Euro/zusätzlichem YFC. Die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von Kosteneffektivität lag ohne Einbezug einer Zahlungsbereitschaft bei mehr als 50%.
Diskussion: Eine gesundheitsökonomische Evaluation von SP in der hausärztlichen Versorgung ist grundsätzlich machbar. In der konfirmatorischen Studie könnte auf Kostenarten ohne Varianz ggf. verzichtet werden, was zu einer Entlastung der zu befragenden Studienteilnehmenden führt. Der hohe Anteil fehlender Werte erfordert Strategien zur Verbesserung der Datenqualität, um die ökonomischen Implikationen von SP konfirmatorisch zuverlässig bestimmen zu können.
Interessenkonflikte: Förderung von Projekten zu Social Prescribing durch DFG und Horizont Europa.



