Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

BeoNet-Halle: ein Primärversorgungsregister zur Nutzung ambulanter Routinedaten für Versorgungsforschung und Qualitätssicherung

Konstantin Moser - Medizinische Fakultät Martin-Luther-Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland
Felix Bauch - Medizinische Fakultät Martin-Luther-Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Deutschland

Text

Ziel/Zweck/Vision: BeoNet-Halle ist eine Forschungsinfrastruktur zum Aufbau eines longitudinalen, praxisbasierten Primärversorgungsregisters. Ziel ist es, Routinedaten aus der ambulanten Versorgung systematisch zu erschließen, um Versorgungsprozesse realitätsnah abzubilden, wissenschaftlich nutzbar zu machen und langfristig zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Patientenversorgung beizutragen. Perspektivisch soll die Infrastruktur eine sektorenübergreifende Analyse von Patientenpfaden ermöglichen.

Datengrundlage: Erfasst werden anonymisierte und pseudonymisierte Routinedaten aus Praxisverwaltungssystemen von Haus- und Facharztpraxen. Dazu gehören demografische Angaben, Diagnosen (ICD-10), Verordnungen (ATC), Laborwerte, klinische Parameter (z. B. Blutdruck, BMI), Risikofaktoren sowie Informationen zur Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen. Ergänzend können studienspezifische Daten integriert werden.

Datenerhebung und Qualitätssicherung: Die Datenerhebung erfolgt automatisiert über standardisierte Exportmodule, die unabhängig vom jeweiligen Praxisverwaltungssystem eingesetzt werden. Die Daten werden verschlüsselt in eine zentrale Forschungsdatenbank überführt. Qualitätssichernde Maßnahmen umfassen standardisierte SOPs, technische Validierungen, Protokollierung aller Exporte, strukturierte Datenmodelle sowie Prüfungen der Anonymisierung. Die Nutzung basiert auf einem Broad-Consent-Verfahren, das eine flexible, datenschutzkonforme Sekundärnutzung ermöglicht.

Datennutzung: Die Daten werden für epidemiologische und versorgungswissenschaftliche Analysen, pharmakoepidemiologische Fragestellungen sowie zur Entwicklung von Feedbacksystemen für teilnehmende Praxen genutzt. Dadurch können Versorgungsmuster beschrieben, potenzielle Verbesserungspotenziale identifiziert und evidenzbasierte Entscheidungsprozesse unterstützt werden.

Registercharakter (TMF-Definition): Registerkriterien werden erfüllt

10-Jahres-Perspektive: In einer optimalen Entwicklung ist BeoNet-Halle ein großskaliges, interoperables Register mit mehreren hunderttausend Patient:innen, umfassender sektorübergreifender Datenverknüpfung und standardisierten Schnittstellen (z. B. FHIR). Es dient als zentrale Infrastruktur für die Primärversorgungsforschung in Deutschland, ermöglicht nahezu in Echtzeit Analysen und trägt evidenzbasiert zur Steuerung und Optimierung der Gesundheitsversorgung bei.

Interessenkonflikte: Keine