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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Häusliche Gewalt als übersehenes Public Health Problem – theoretische Grundlagen, Versorgungsstrukturen und intersektionale Perspektiven

Petra Brzank - Hochschule Nordhausen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Nordhausen, Deutschland
Marion Winterholler - S.I.G.N.A.L. e.V., Deutschland
Karin Wieners - S.I.G.N.A.L. e.V., Deutschland
Dennis Jepsen - Universitätsmedizin Halle, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Deutschland
Rieka von der Warth - Universitätsklinikum Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Deutschland
Kathleen Pöge - Robert Koch-Institut, Abt. 2 Epidemiologie u. Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Johanna Budke - Universität Bielefeld, Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung, Bielefeld, Deutschland

Text

Namen der Moderierenden sowie der Vortragende

Vortragende:

Prof. Dr. Petra Brzank, Institut für Sozialmedizin, Rehabilitationswissenschaften und Versorgungsforschung, Hochschule Nordhausen

Marion Winterholler und Karin Wieners, S.I.G.N.A.L. e.V.

Dennis Jepsen, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsmedizin Halle

Chair/Moderation:

Dr. Rieka von der Warth, Universitätsklinikum Bonn

Dr. Kathleen Pöge, Robert Koch-Institut

Dr. Johanna Budke, Universität Bielefeld

Hintergrund: Gewalt stellt weltweit eine der bedeutendsten, jedoch häufig unterschätzten Determinanten von Gesundheit dar. Aus Public-Health-Perspektive führt insbesondere häusliche Gewalt, definiert als körperliche, sexualisierte, psychische oder ökonomische Gewalt im privaten Umfeld, zu erheblichen gesundheitlichen Folgen, darunter chronische Erkrankungen und reduzierte Lebenserwartung. Häusliche Gewalt ist als komplexes Phänomen eng verknüpft mit sozialen Ungleichheiten, Machtverhältnissen sowie politischen und institutionellen Rahmenbedingungen – sie rückt damit nicht als individuelles Ereignis, sondern als sozial strukturierter Prozess in den Fokus. In Deutschland wurden 2024 265.942 Fälle häuslicher Gewalt polizeilich registriert, was einem Anstieg von rund 18% in fünf Jahren entspricht. Etwa 70% der Betroffenen waren Frauen; vulnerable Gruppen wie Personen mit Behinderungen oder von Armut betroffene Menschen sind überproportional häufig betroffen.

Zielsetzung/Fragestellung: Das Symposium verfolgt das Ziel, häusliche Gewalt als strukturelles Public-Health-Problem sichtbar zu machen und intersektionale Dimensionen gesundheitlicher Ungleichheit zu beleuchten. Es wird der Frage nachgegangen, wie medizinische und psychosoziale Versorgungsstrukturen so gestaltet werden können, dass sie den vielschichtigen Bedarfen von Betroffenen gerecht werden. Präventive Strategien, verbesserte Früherkennung sowie interdisziplinäre und niedrigschwellige Versorgungsstrukturen sind essenziell, um gesundheitliche Langzeitfolgen zu reduzieren.

Diskussionspunkt: Welche strukturellen Voraussetzungen braucht eine intersektional informierte Versorgung von Menschen mit Gewalterfahrungen und wie können Akteur:innen aus Medizin, Psychosozialer Arbeit und Public Health dabei stärker zusammenwirken?

Inhalt: Zu Beginn werden Theorien zur Entstehung und gesellschaftlichen Bedeutung vorgestellt. Anschließend werden die besonderen Chancen von Einrichtungen der Gesundheitsversorgung für Prävention und Intervention beleuchtet sowie ihre Rolle als Schnittstelle in das Hilfesystem mit konkreten Versorgungsangeboten. Abschließend werden Risikofaktoren und gesundheitliche Ungleichheiten im Kontext von Schwangerschaft bei Überlebenden von Gewalt in Paarbeziehungen eingeordnet und Handlungsempfehlungen für eine meschenrechtsorientierte medizinische und psychosoziale Versorgung abgeleitet.

Take Home Message für die Praxis: Häusliche Gewalt ist ein sozial strukturiertes Public-Health-Problem mit erheblichen gesundheitlichen Folgen. Eine wirksame Prävention erfordert intersektionale Perspektiven.

Interessenkonflikte: Keine