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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Erfassung der Häufigkeit des Wunschs nach Antibiotika bei Eltern von Kindern mit akuten Atemwegsinfektionen: Ergebnisse einer bundesweiten Befragungsstudie
Text
Hintergrund: Die Erwartungshaltung von Patient:innen kann Therapieentscheidungen von Ärzt:innen beeinflussen und potenziell zu Fehlverordnungen von Antibiotika führen.
Zielsetzung/Fragestellung: Erfassung der Häufigkeit des Antibiotikawunsches bei Eltern von Kindern mit akuten Atemwegsinfektionen. Bundesweite, querschnittliche Befragungsstudie unter Eltern von Kindern mit Symptomen eines akuten Atemwegsinfekts in Kinderarztpraxen (Januar bis April 2026).
Diskussionspunkt: Ein expliziter Antibiotikawunsch von Eltern ist relativ selten und spielt somit als Erklärung für potenzielle Fehlverordnungen eher eine untergeordnete Rolle. Psychosoziale Aspekte wie Alltagsdruck, Unsicherheit und individuelle Vorerfahrungen prägen die Erwartungshaltung und sollten gezielt in der ärztlichen Kommunikation adressiert werden.
Inhalt: In der vorläufigen Auswertung wurden Daten von 565 Elternteilen analysiert (Median Alter: 38 Jahre; Geschlecht: 74,9% weiblich). Das Medianalter der Kinder betrug sechs Jahre, 48,5% waren weiblich.
In über zwei Dritteln der Fälle (69,9%) äußerten Eltern den Wunsch nach einer medikamentösen Behandlung (z. B. Hustensaft, Nasensprays). Ein spezifischer Wunsch nach Antibiotika bestand in 15,2% (n = 74) der Fälle. In 63,4% (n = 309) der Fälle wünschten die Eltern keine Antibiotika und in 21,4% vertraten die Eltern diesbezüglich keine Meinung.
Das Durchschnittsalter der Kinder unterschied sich nicht zwischen Eltern mit und ohne Antibiotikawunsch. Im Vergleich zu Eltern ohne Antibiotikawunsch, hatten Eltern mit Antibiotikawunsch häufiger keinen Schulabschluss (7,1% vs. 1,7%) und seltener ein (Fach-)Abitur (45,7% vs. 59,5%).
Die wichtigsten Gründe für den Wunsch nach Antibiotika waren: Alltagsdruck (KiTa, Schule, Arbeit) (87,8%), Unsicherheit hinsichtlich des Übersehens einer ernsten Infektion (78,4%) sowie positive Vorerfahrungen mit Antibiotika (75,7%). Gründe gegen einen Antibiotikawunsch waren: die Einschätzung, dass Antibiotika in diesem Fall nicht wirksam sind (69,6%), Vertrauen in den natürlichen Genesungsprozess (68,3%) sowie die Vermeidung möglicher Nebenwirkungen (65,3%). Die Vermeidung von Antibiotikaresistenzen wurde in 45,6% der Fälle genannt.
Take Home Message für die Praxis: Entgegen anekdotischer Evidenz haben Eltern bei akuten Atemwegsinfektionen ihrer Kinder relativ selten den Wunsch nach Antibiotika und zeigen sich häufig offen für alternative Therapieoptionen.
Interessenkonflikte: Keine



