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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Augenärztliche Versorgung von Pflegeheimbewohnenden in Bayern – Analyse von Versorgungsdefiziten bei Diabetes mellitus auf Basis von AOK-Routinedaten

Felipe Argüello Guerra - Wissenschaftliches Institut der AOK, Forschungsbereich Pflege, Deutschland
Maia Maisuradze - Wissenschaftliches Institut der AOK, Forschungsbereich Pflege, Deutschland
Chrysanthi Tsiasioti - Wissenschaftliches Institut der AOK, Forschungsbereich Pflege, Deutschland
Gerald Willms - aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Evaluation und Implementierungsforschung, Deutschland
Edith Andres - aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Evaluation und Implementierungsforschung, Deutschland
Monike Schlüter - aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Evaluation und Implementierungsforschung, Deutschland
Alexander Haarmann - aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Evaluation und Implementierungsforschung, Deutschland
Dawid Pieper - Medizinische Hochschule Brandenburg, Deutschland
Alexander Pachanov - Medizinische Hochschule Brandenburg, Deutschland
Ana Babac - AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, Geschäftsbereich Pflege, Deutschland
Holger Hein - AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, Geschäftsbereich Pflege, Deutschland
Cora Hänig - AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, Geschäftsbereich Pflege, Deutschland
Viktoria Karl - AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, Geschäftsbereich Pflege, Deutschland
Susann Behrendt - Wissenschaftliches Institut der AOK, Forschungsbereich Pflege, Deutschland

Text

Hintergrund: Im Schnitt gelten ein Drittel der Pflegeheimbewohnenden als an Diabetes mellitus (I/II) erkrankt. Sie weisen ein besonders hohes Risiko für irreversible Augenschädigungen bis hin zur Blindheit auf. Während eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle maßgeblich ist, zeigen empirische Studien vor allem Defizite im Zugang zur augenärztlichen Versorgung bei Pflegeheimbewohnenden. Flächendeckende, regelmäßige Befunde je Pflegeheim fehlten bislang. Im Rahmen des noch laufenden Innovationsfondsprojekts „QCare Transfer” (01VSF23045) werden Qualitätsindikatoren auf Basis von Routinedaten in Bayern in Pflegeheimen pilotiert. Der hier fokussierte Indikator misst den fehlenden augenärztlichen Kontakt bei Pflegeheimbewohnenden mit Diabetes mellitus.

Zielsetzung/Fragestellung: Der Beitrag erweitert die empirischen Befunde im Kontext der Prävention bei Pflegeheimbewohnenden und zeigt routinedatenbasiert die Ergebnisse der augenärztlicher Inanspruchnahmeraten bei Diabetes je Pflegeheim. Neben den rohen Raten erfolgt ebenso eine Risikoadjustierung mittels GEE-Verfahren. Der Beitrag diskutiert zudem mögliche regionale Unterschiede.

Material & Methoden: Im Zentrum der retrospektiven Sekundärdatenanalysen stehen die anonymisierten Abrechnungsdaten der Kranken- und Pflegekassen der AOK für den Zeitraum 2019 bis 2023. Durch den indikatorspezifischen Einschluss von Pflegeheimen mit jeweils mindestens 30 AOK-Versicherten mit Diabetes (60+ Jahre) umfasst die Grundgesamtheit rund 16.800 AOK-Versicherte in 418 stationären Pflegeeinrichtungen in Bayern. Der QCare Indikator misst den Anteil der an Diabetes erkrankten Bewohnenden je Pflegeheim, die im Zeitraum 2021 bis 2023 keinen jährlichen Augenarztkontakt aufwiesen.

Ergebnisse: Bei rund 75% der Bewohnenden mit Diabetes je Pflegeheim (Median) fehlte im 3-Jahres-Zeitraum 2021 bis 2023 in Bayern der jährliche augenärztliche Kontakt. Selbst im Quartil der Einrichtungen mit den niedrigsten Raten fehlender augenärztlicher Versorgung lag der Wert bis zu 69%. Im auffälligsten Viertel der Einrichtungen hatten mehr als 4/5 der Bewohnenden mit Diabetes im gleichen Zeitraum keine augenärztliche Untersuchung.

Diskussion: Die flächendeckend hohen Indikatorwerte deuten auf einen deutlichen Optimierungsbedarf des Zugangs von Pflegeheimbewohnenden zur augenärztlichen Versorgung. Der QCare Indikator kann hier routinedatenbasiert Transparenz schaffen und Evaluationen von Optimierungsmaßnahmen empirisch unterstützen.

Take Home Message für die Praxis: Der Zugang zur augenärztlichen Versorgung bei Pflegeheimbewohnenden hat deutliches Optimierungspotential.

Interessenkonflikte: Es bestehen keine Interessenskonflikte.