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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Hemmen Vergütungssysteme die digitale Transformation? Internationale Fallstudien zur Implementierung von digitalen Tools in der Primärversorgung

Lena Kraft - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
Anna-Lena Brecher - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
Sophia Sgraja - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
Reinhard Busse - Technische Universität Berlin, Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, Berlin, Deutschland
Volker Eric Amelung - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland

Text

Hintergrund: Internationale Erfahrungen zeigen, dass Vergütungssysteme und Anreizstrukturen in der Primärversorgung als zentraler Hebel bei der digitalen Transformation gelten, da sie maßgeblich bestimmen, ob Leistungserbringende digitale Tools implementieren und nachhaltig nutzen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist es, internationale Vergütungsmodelle und Anreizmechanismen in der Primärversorgung zu identifizieren, ihren Einfluss auf Implementierung und Nutzung digitaler Tools zu analysieren und den Transfer auf Deutschland zu untersuchen.

Material & Methoden: In einem mehrstufigen Vorgehen wurden 9 Länder mit fortschreitender Digitalisierungsdynamik ausgewählt. In diesen Ländern wurden von 11/2024 bis 9/2025 109 Interviews mit Expert:innen im Bereich Digital Health durchgeführt. Zur Einschätzung der Übertragbarkeit identifizierter Erfolgsfaktoren auf Deutschland erfolgte eine Online-Befragung relevanter Stakeholdergruppen (n=325). Ein begleitendes Scoping Review analysierte internationale Vergütungsmodelle und Anreizmechanismen. Die Ergebnisse werden in die Ableitung politischer Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung nationaler Strukturen einfließen.

Ergebnisse: Die laufende Auswertung zeigt erste Erkenntnisse: Vergütungssysteme wirken als zentraler Treiber der digitalen Transformation. Erfolgreiche Länder kombinieren häufig Anschubfinanzierungen mit ergebnisorientierten Vergütungsmodellen, die finanzielle Risiken für Leistungserbringende reduzieren und die nachhaltige Nutzung digitaler Tools fördern. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass klare Verantwortlichkeiten, transparente Refinanzierungswege und eine gezielte Entlastung entscheidende Faktoren darstellen. Vollständige Ergebnisse liegen zum Kongress vor.

Diskussion: Die Analyse verdeutlicht, dass Vergütungsmodelle einen signifikanten Einfluss auf den Fortschritt der digitalen Transformation in der Primärversorgung haben. Die Triangulation aus Interviews, Online-Befragung und Review ermöglicht eine umfassende Betrachtung der Wirkmechanismen, während die internationale Vergleichbarkeit aufgrund unterschiedlicher Systemlogiken eine Herausforderung darstellt. Dennoch zeigt sich, dass investive Förderung und klare Zuständigkeiten die digitale Transformation erheblich erleichtern. Für Deutschland stellen insbesondere fehlende Refinanzierungsmodelle, hohe Anfangsinvestitionen und unklare Verantwortlichkeiten zentrale Barrieren dar.

Take Home Message für die Praxis: Für Deutschland ergibt sich die Notwendigkeit, Vergütungsstrukturen so weiterzuentwickeln, dass sie digitale Innovationen ermöglichen statt zu behindern.

Interessenkonflikte: Keine