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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Einstellung von Medizinstudierenden zur Niederlassungsbereitschaft und zu Lehreveranstaltungen für Praxismanagement im Medizinstudium – eine Querschnittsstudie

Solveig Weise - Medizinische Fakultät der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Profilzentrum für Gesundheitswissenschaften, Halle, Deutschland
Johannes Fluch-Niebuhr - Medizinische Fakultät der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Profilzentrum für Gesundheitswissenschaften, Halle, Deutschland
Marcus Heise - Medizinische Fakultät der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Profilzentrum für Gesundheitswissenschaften, Halle, Deutschland
Irene Moor - Medizinische Fakultät der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medizinische Soziologie, Profilzentrum für Gesundheitswissenschaften, Halle, Deutschland
Dietrich Stoevesandt - Medizinische Fakultät der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Dorothea Erxleben Lernzentrum, Halle, Deutschland
Thomas Frese - Medizinische Fakultät der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Institut für Allgemeinmedizin, Profilzentrum für Gesundheitswissenschaften, Halle, Deutschland

Text

Hintergrund: Die ambulante Versorgung in Deutschland, v.a. in der Allgemeinmedizin, ist durch demografischen Wandel und Personalmangel bedroht. Universitäten spielen eine Schlüsselrolle bei der Gewinnung von Hausärzt:innen. Durch Lehrangebote zum Praxismanagement können sie Barrieren für eine spätere Niederlassung abbauen. Praxismanagement wird im Medizinstudium jedoch selten gelehrt; die Relevanz aus Sicht der Studierenden ist unklar.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Einstellungen haben Medizinstudierende zur späteren Niederlassung und zu Lehrveranstaltungen zum Praxismanagement?

Material & Methoden: Medizinstudierende im zweiten (N = 200) und zehnten (N = 220) Semester an der MLU wurden zwischen April und Juli 2025 zu einer anonymen Querschnittsbefragung eingeladen. Verwendet wurde ein selbstentwickelter, pretesteter Fragebogen; die Befragung erfolgte online und papierbasiert. Erfasst wurden Einstellungen zur Niederlassung, Barrieren, Chancen sowie zu Lehrveranstaltungen zum Praxismanagement und deren Inhalten. Die Ethikkommission bestätigte die ethische Unbedenklichkeit (2025-067). Die Auswertung erfolgte als Complete-Case-Analyse mit R (v. 4.5.2).

Ergebnisse: 329 von 420 eingeladenen Studierenden nahmen teil (Rücklauf: 78,3%). 67,2% waren weiblich, das Alter lag bei 23,8 Jahren, 50,3% hatten Erfahrung in der Patientenversorgung. 69,2% wollten sich später niederlassen, bevorzugt in einer Gemeinschaftspraxis. 45,0% befürworteten „Praxismanagement“ als Wahlfach. Am häufigsten priorisierte Inhalte waren Praxisgründung (82,4%), Finanzen und Steuern (80,1%), Personalmanagement (74,4%), Abrechnung und Regress (73,1%), Medizinrecht und Versicherungen (74,0%) sowie Praxis- und Rechtsformen (71,1%). Teilnehmende mit Facharztwunsch Allgemeinmedizin zeigten eine höhere Niederlassungsabsicht (IRR = 6,96) und präferierten Praxismanagement häufiger als Pflichtlehrveranstaltung (OR = 2,03; multinomiale Regressionsanalyse). Die Bereitschaft zur Niederlassung stieg vom zweiten zum zehnten Semester (IRR = 2,83).

Diskussion: Etwa zwei Drittel der Medizinstudierenden beabsichtigten eine spätere Niederlassung. Die Mehrheit bevorzugte Praxismanagement als Wahlfach. Studierende mit Facharztwunsch Allgemeinmedizin befürworteten häufiger einen obligatorischen Kurs.

Take Home Message für die Praxis:

  • Niederlassung ist für viele Medizinstudierende ein realistisches Berufsziel – besonders bei Orientierung auf die Allgemeinmedizin.
  • Lehrangebote zu Praxismanagement könnten Niederlassungsbarrieren abbauen und sollten bedarfsorientiert im Medizinstudium verankert werden.

Interessenkonflikte: Es bestehen keine Interessenskonflikte.