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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wahrnehmung von Überdiagnostik in der bildgebenden Radiologie von Allgemeinmediziner:innen und Radiolog:innen – eine qualitative Studie

Imre Löber - Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
Juliane Poeck - Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
Verena Vogt - Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland

Text

Hintergrund: Überdiagnostik in der bildgebenden Radiologie geht mit relevanten Folgen für Patient:innen und das Gesundheitssystem einher. Internationale Studien weisen auf Ursachen wie z.B. finanzielle Fehlanreize, kognitive Verzerrungen und Patientenerwartungen hin (Saini et al., 2017). Jedoch fehlen Untersuchungen zur berufsgruppenspezifischen Wahrnehmung im deutschsprachigen Raum – insbesondere aus der kombinierten Perspektive von Hausärzt:innen und Radiolog:innen.

Zielsetzung/Fragestellung: Wie nehmen praktizierende Hausärzt:innen und Radiolog:innen Überdiagnostik in der bildgebenden Radiologie wahr, welche Ursachen und Folgen identifizieren sie, und welche Lösungsansätze schlagen sie vor?

Material & Methoden: Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden im Zeitraum April bis August 2025 15 leitfadengestützte Einzelinterviews mit praktizierenden Hausärzt:innen (n=8) und Radiolog:innen (n=7) durchgeführt. Die Interviews erfolgten per Videocall (Zoom), wurden dabei digital aufgenommen und anschließend transkribiert. Die Auswertung erfolgte mittels fokussierter Interviewanalyse nach Kuckartz & Rädiker (2024), unterstützt durch die Analysesoftware MAXQDA24.

Ergebnisse: Erste Auswertungen zeigen, dass Überdiagnostik von beiden Berufsgruppen wahrgenommen wird, jedoch häufig im Handeln anderer Ärzt:innen verortet wird. Als zentrale Ursachen werden systemische Rahmenbedingungen, Patientenerwartungen sowie ökonomische Faktoren und defensive Medizin benannt. Vollständige Ergebnisse, einschließlich Folgen und Lösungsansätzen, werden zum Zeitpunkt des Kongresses vorliegen.

Diskussion: Die Tendenz, Überdiagnostik primär bei anderen zu verorten, deutet auf einen blinden Fleck in der Selbstwahrnehmung hin, der eine konstruktive Kommunikation an den Schnittstellen zwischen den Berufsgruppen erschweren könnte. Als relevante Lösungsansätze werden Patientenaufklärung und shared decision-making, verbesserte interprofessionelle Kommunikation sowie strukturelle Maßnahmen wie die elektronische Patientenakte und eine adäquate Vergütung präventiver Diagnostik benannt.

Take Home Message für die Praxis: Überdiagnostik in der bildgebenden Radiologie wird von beiden Berufsgruppen wahrgenommen, ihre Ursachen jedoch vorrangig auf struktureller und weniger auf individueller Ebene verortet – wirksame Gegenmaßnahmen erfordern daher interprofessionellen Dialog und systemische Ansätze.

Interessenkonflikte: Keine