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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Usability von STI-Informationen auf Gesundheitsamt-Websites – eine Mixed-Methods-Studie zur Auffindbarkeit und Verständlichkeit aus Nutzerperspektive

Kim Felsch - Universität Siegen, Philosophische Fakultät, Siegen, Deutschland
Lea Dielmann - Universität Siegen, Philosophische Fakultät, Siegen, Deutschland
Hiba Chahed - Universität Siegen, Philosophische Fakultät, Siegen, Deutschland
Lauryn Mafo Soh - Universität Siegen, Philosophische Fakultät, Siegen, Deutschland
Hatef Sandhu - Universität Siegen, Philosophische Fakultät, Siegen, Deutschland
Elena Schweitzer - Universität Siegen, Philosophische Fakultät, Siegen, Deutschland

Text

Hintergrund: In Deutschland wurden 2024 ca. 2.300 HIV-Neuinfektionen gemeldet. Gesundheitsämter sind zur STI-Beratung verpflichtet und das Internet gilt als zentrale Informationsquelle. Die Usability kommunaler Gesundheitsamt-Websites ist bislang kaum untersucht.

Zielsetzung/Fragestellung: Mit dem Ziel der Ableitung von Handlungsempfehlungen stand folgende Fragestellung operativ im Vordergrund des Erkenntnisinteresses: Wie gut sind STI-Informationen auf Websites kommunaler Gesundheitsämter für Nutzer:innen auffindbar und verständlich?

Material & Methoden: 25 Teilnehmende bearbeiteten fünf Rechercheaufgaben auf zehn deutschen Gesundheitsamt-Websites (selektiert nach regionaler Verteilung/Einwohnerzahl). Ein Prä-Fragebogen erfasste demografische Merkmale, Mediennutzung und Gesundheitskompetenz (eHealth Literacy Scale). Mittels Think-Aloud-Ansatz wurden Such- und Entscheidungsprozesse erhoben; Dauer, Erfolgsquote und Klickanzahl dokumentiert. Ein Post-Fragebogen in Anlehnung an SUS und UEQ erfasste die Nutzungserfahrung. Die Auswertung erfolgte per Codierung, Kriterienanalyse und deskriptiver Statistik.

Ergebnisse: Im Durchschnitt wurden 8 Klicks und 3:40 min pro Aufgabe benötigt. 80% der Teilnehmenden passten ihre Suchstrategie an; Fachbegriffe erschwerten die Suche bei 72%. Orientierungs- und Navigationsprobleme traten bei 80% auf. Der SUS-basierte Usability-Score lag bei 45,2 / 100, die UEQ-Werte bei -0,3 (-3 bis +3) – beide deuten auf niedrige Gebrauchstauglichkeit hin. Die eHealth Literacy Scale ergab 30,2 / 40. Soziodemografische Variablen zeigten keine signifikanten Zusammenhänge.

Diskussion: Die Usability liegt deutlich unter dem für Gesundheitswebsites berichteten Durchschnitt und im Kontrast zur bisherigen STI-Usability-Studienlage. Ein hohes öffentlich-institutionelles Grundvertrauen bei gleichzeitig niedriger Nutzungsbereitschaft deutet darauf hin, dass mangelnde Usability eine eigenständige Nutzungsbarriere darstellt – unabhängig von der Gesundheitskompetenz der Nutzenden. Limitierend wirken die kleine Stichprobe sowie ein möglicher Selection Bias durch Selbstrekrutierung.

Take Home Message für die Praxis: Gesundheitsamt-Websites erschweren durch unübersichtliche Navigation den Zugang zu STI-Informationen. Kommunen und Gesundheitsämter sind aufgefordert, digitale Angebote nutzerzentriert zu gestalten: mit klaren Strukturen, barrierearmem Zugang und leicht auffindbaren Inhalten.

Interessenkonflikte: Keine