Gesundheit gestalten
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Die hausärztliche Rolle bei der Ein-Jahres-Inanspruchnahme der Beratung und des Stuhltests zur Darmkrebsfrüherkennung: eine Auswertung von Routinedaten der AOK Niedersachsen
Text
Hintergrund: In Deutschland beinhaltet das organisierte Programm zur Darmkrebsfrüherkennung u.a. eine einmalige Beratung und den Stuhltest [1]. Die Ein-Jahres-Inanspruchnahme des Stuhltests lag 2022 bei den Männern bei 3,5% und bei den Frauen bei 5,7% [2]. Grundsätzlich erhöht ein Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt die Wahrscheinlichkeit, am Screening teilzunehmen [3]. Hausärzt:innen haben daher eine zentrale Rolle bei der Beratung, Testausgabe und Ergebnisübermittlung.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist es, den hausärztlichen Anteil an den Abrechnungen der Beratung und des Stuhltests zur Darmkrebsfrüherkennung abzuschätzen.
Material & Methoden: Es wurden Routinedaten von 50-, 55- und 60-jährigen Versicherten der AOK Niedersachen ausgewertet, die im Juni 2020 als Teil des organisierten Programms zur Darmkrebsfrüherkennung eine Einladung zur Teilnahme erhalten haben. Die einmalige Inanspruchnahme der Beratung und des Stuhltests wurde für die folgenden 12 Monate (7/2020–6/2021) stratifiziert nach Facharztgruppe und Bildung (ausstehend) analysiert.
Ergebnisse: Von den 1.142 Versicherten nahmen innerhalb von 12 Monaten nach Einladung 14,0% der Männer und 15,6% der Frauen eine Beratung in Anspruch; je 9,8% der Männer und Frauen nutzten den Stuhltest. Männer erhielten 47,4% der Beratungen und 70,6% der Stuhltests über hausärztliche und 30,8% (Beratung) bzw. 29,1% (Stuhltest) über urologische Praxen. Frauen erhielten 46,2% der Beratungen und 86,0% der Tests über gynäkologische und 26,4% (Beratung) bzw. 14,0% (Stuhltest) über hausärztliche Praxen. Die Beratung wurde von mehreren Fachärzt:innen, u.a. auch Hautärzt:innen, durchgeführt. Hinweise auf eine Fehlversorgung durch mehrfache Beratungen oder Tests gab es kaum.
Diskussion: Der Stuhltest wird eher wenig in Anspruch genommen. Aufseiten der hausärztlichen Praxen besteht noch ein bedeutsames Potenzial, durch strukturierte Ansprache, z.B. im Rahmen des Gesundheits-Check-Ups, die Teilnahme an der Darmkrebsfrüherkennung zu steigern. Dies gilt insbesondere für Frauen, bei denen die hausärztliche Verordnung bislang kaum eine Rolle spielt. Die Aussagekraft wird limitiert durch kleine Fallzahlen und eingeschränkte Generalisierbarkeit.
Take Home Message für die Praxis: AOK-Versicherte in Niedersachsen weisen mit 10% eine eher geringe jährliche Teilnahme am Stuhltest zur Darmkrebsfrüherkennung auf. Insbesondere die hausärztlichen Praxen können mit ihrer zentralen Rolle in der ambulanten Versorgung die Teilnahme durch strukturierte Ansprache optimieren.
Interessenkonflikte: Hiermit erklären die Autorinnen, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.
References
[1] Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme. 2025 [Zugriff am: 12.04.2026]. Available from: https://www.g-ba.de/richtlinien/104/[2] Gesundheitsforen Leipzig GmbH. Evaluationsbericht Darmkrebs. 2024 [Zugriff am: 12.04.2026]. Available from: https://www.g-ba.de/downloads/17-98-5679/2024-04-24_oKFE-Evaluationsbericht-Darmkrebs_GFL_2021-2022.pdf
[3] Seeff LC, Nadel MR, Klabunde CN, et al. Patterns and Predictors of Colorectal Cancer Test Usein the Adult U.S. Population. Cancer. 2004;100(10):2093-103. DOI: 10.1002/cncr.20276



