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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Stigmatisierende Einstellungen im Kontext von Infektionskrankheiten am Beispiel COVID-19: Einfluss von Risikostatus und Tätigkeit im Gesundheitswesen
Text
Hintergrund: Stigmatisierung im Kontext von Infektionskrankheiten ist ein relevantes Public-Health-Problem, da sie das Wohlbefinden Betroffener beeinträchtigen und das Pandemiemanagement erschweren kann, indem sie zur Vermeidung oder Verzögerung von Diagnosestellung und Behandlung führen kann. Die Angst vor Ansteckung ist dabei ein treibender Faktor. Im Gesundheitswesen kann Stigma zudem soziale Ausgrenzung verstärken. Es umfasst u. a. öffentliches (d. h. Einstellungen gegenüber anderen) und internalisiertes Stigma. Bisher liegen für Deutschland nur begrenzte Erkenntnisse, besonders zu Personen, die einer sog. Risikogruppe (RG) angehören oder Personen aus dem Gesundheitswesen (GP), vor.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war die Untersuchung von Zusammenhängen COVID-19-bezogener stigmatisierender Einstellungen (SE) in der deutschen Allgemeinbevölkerung mit Zugehörigkeit zu RG und GP. Es wurde angenommen, dass RG (vs. Nicht-RG) höhere Werte in beiden Stigmaformen aufweisen und GP (vs. Nicht-GP) geringeres öffentliches, aber höheres internalisiertes Stigma zeigen.
Material & Methoden: Die Datenerhebung erfolgte über eine querschnittliche Befragung (Okt.–Dez. 2023) in einer online-repräsentativen Stichprobe der deutschen Allgemeinbevölkerung (N = 1.960). SE wurden mithilfe validierter Skalen erfasst. Zusammenhänge wurden mittels binärer logistischer Regression unter Kontrolle soziodemografischer (Alter, Geschlecht, Bildung, Migrationshintergrund) und medizinisch relevanter Variablen (Impfstatus, COVID-Infektion) analysiert.
Ergebnisse: Zugehörigkeit zum GP war mit höheren öffentlichen SE (Subskala "Vorurteile": OR = 1,65 [1,05–2,55]) sowie erhöhten internalisierten SE (Subskala "Soziales Leben": OR = 1,96 [0,99–3,68]) assoziiert. Zugehörigkeit zur RG war mit höheren öffentlichen SE (u. a. Gesamtskala: OR = 1,79 [1,40–2,30]) sowie deutlich erhöhten internalisierten SE (u. a. Gesamtskala: OR = 4,08 [1,95–8,87]) assoziiert.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl RG als auch GP höhere SE als andere Personen aus der Allgemeinbevölkerung berichten und somit relevante Zielgruppen für maßgeschneiderte Anti-Stigma-Maßnahmen (z. B. psychosoziale Unterstützungsangebote) darstellen. Die erhöhten öffentlichen SE bei GP könnten mit erhöhter Risikowahrnehmung und beruflicher Exposition zusammenhängen.
Take Home Message für die Praxis: Zur Reduktion von SE sollten zielgruppenspezifische Maßnahmen entwickelt werden, die öffentliches und internalisiertes Stigma adressieren, um im Sinne einer Pandemic Preparedness zur Verbesserung von Gesundheitsversorgung und Pandemiemanagement beizutragen.
Interessenkonflikte: Förderhinweis: Das Projekt „StiPEx“, in dessen Rahmen die vorliegende Studie durchgeführt wurde, wurde im Rahmen der Bekanntmachung zu gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert (Vorhaben: 01UO2202).



