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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Medikalisierung von Bewegung in der hausärztlichen Beratung bei koronarer Herzkrankheit: eine Sekundäranalyse von Fokusgruppen und Interviews

Charline Fritz - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Alicia Prinz - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Vera Kalitzkus - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Familienmedizin, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Sabrina Hoppe - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Stefan Wilm - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland; Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Familienmedizin, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Sabrina Kastaun - Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Forschungsschwerpunkt Patient-Arzt-Kommunikation, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland

Text

Hintergrund: Obwohl Bewegung ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist, wird sie zunehmend medizinisch gerahmt – also medikalisiert: Sie wird häufig als Therapie oder quasi-pharmakologische Intervention („Bewegung ist Medizin“, Fragen nach „Wirkung“ oder „Dosis“) oder als verordnete Maßnahme dargestellt, während Bewegungsmangel als behandlungsbedürftig gilt.

Damit kann die Tendenz einhergehen, strukturell mitbedingte Probleme zu individualisieren, die Selbstwirksamkeit von Patient:innen zu schwächen und Überdiagnostik sowie Übertherapie zu begünstigen.

Gleichzeitig ist Bewegung zentral im Management nicht-übertragbarer Erkrankungen, und hausärztliche Beratung kann Patient:innen dabei unterstützen, sich mehr zu bewegen. Bislang ist jedoch kaum untersucht, ob und wie Medikalisierung in hausärztlichen Gesprächen über Bewegung, etwa bei Patient:innen mit KHK, auftritt.

Zielsetzung/Fragestellung: Wie wird Bewegung in von Hausärzt:innen geschilderten Beratungsgesprächen mit Patient:innen mit KHK medikalisiert, in welchen Gesprächssituationen tritt dies auf und welche möglichen Funktionen deuten sich dabei an?

Material & Methoden: Es erfolgt eine Sekundäranalyse qualitativer Daten aus der OptiCor-Studie (https://www.opticor-study.info/). Analysiert werden zwölf problemzentrierte Interviews und sechs Fokusgruppen mit 37 Hausärzt:innen zu Erfahrungen und Einstellungen in Bezug auf Bewegungsberatung bei Patient:innen mit KHK. Die Stichprobe wurde gezielt nach Geschlecht, Alter und Region variiert. Die Auswertung orientiert sich an Medikalisierungskonzepten und erfolgt mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse, ergänzt durch sequenzanalytische Verfahren.

Ergebnisse: Obwohl die Analyse noch nicht vollständig abgeschlossen ist, zeigten sich in der initiierenden Textarbeit bereits Darstellungen von Bewegung als medizinisches Mittel oder in Form konkreter Dosierungslogiken. Diese Befunde entsprechen Medikalisierungskonzepten und weisen auf medizinische Rahmungen im Material hin. Die vollständigen Ergebnisse liegen zum Kongress vor.

Diskussion: Die Studie trägt dazu bei, Medikalisierung in hausärztlichen Gesprächen über Bewegung sichtbar zu machen und besser zu verstehen, wann und wie sie auftritt und welche möglichen Funktionen sich dabei andeuten.

Take Home Message für die Praxis: Ein Verständnis dafür, wie Medikalisierung auftreten kann und welche Risiken sie mit sich bringt, unterstützt eine reflektierte Rahmung von Bewegung im hausärztlichen Beratungsgespräch.

Interessenkonflikte: Keine