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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wer nimmt zu, wer nimmt ab? Prädiktoren für Gewichtsveränderungen nach SARS-CoV-2-Infektion – Ergebnisse aus der NAPKON-SÜP-Kohorte

Julia Markman - Universität Duisburg-Essen, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Deutschland
Hanna Schrader - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Benjamin Borchardt - Universität Duisburg-Essen, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Deutschland
Hendrik Napierala - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin and Humboldt Universität zu Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
Ronny Baber - Universität Leipzig, Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik, Leipzig, Deutschland; Universität Leipzig, Leipzig Medical Biobank, Leipzig, Deutschland
Michael Nissen - Universität zu Lübeck, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Lübeck, Deutschland
Dagmar Krefting - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Medizinische Informatik, Göttingen, Deutschland
Stefan Hansch - Universitätsklinikum Regensburg, Abteilung für Krankenhaushygiene und Infektiologie, Regensburg, Deutschland
Sabine Blaschke-Steinbrecher - Universitätsmedizin Göttingen, Zentrale Notaufnahme, Göttingen, Deutschland
Christoph Römmele - Universitätsklinikum Augsburg, III. Medizinische Klinik – Gastroenterologie und Infektiologie, Augsburg, Deutschland
Nikolaus Büchner - Helios St. Johannes Klinik Duisburg, Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Duisburg, Deutschland
Marylyn Martina Addo - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung Sektion Infektiologie, I. Medizinische Klinik, Zentrum für Innere Medizin, Hamburg, Deutschland; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, I. Medizinische Klinik und Poliklinik – Schwerpunkt Gastroenterologie, Sektionen Infektions- und Tropenmedizin, Hamburg, Deutschland; Standort Hamburg-Lübeck-Borstel-Riems, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Hamburg, Deutschland
Edgar Dahl - Uniklinik RWTH Aachen, Institut für Pathologie, Aachen, Deutschland
Milena Milovanovic - Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital, Deutschland
Carolin Nürnberger - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für medizinische Datenwissenschaften, Würzburg, Deutschland; Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, Würzburg, Deutschland
Lena Schmidbauer - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für medizinische Datenwissenschaften, Würzburg, Deutschland; Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, Würzburg, Deutschland
Clara de Angelis - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Düsseldorf, Deutschland
Wilfried Obst - Universitätsklinikum Magdeburg, Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Magdeburg, Deutschland
Christoph Wyen - Praxis am Ebertpatz, Deutschland
Ildikó Gágyor - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Imad Maatouk - Universitätsklinikum Würzburg, Lehrstuhl für Integrierte Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Würzburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Veränderungen des Körpergewichts sind eine häufige, bislang jedoch unzureichend verstandene Folge von COVID-19 und können sowohl kurzfristig als auch langfristig die Körperzusammensetzung beeinflussen. Unklar ist, welche Faktoren die Gewichtsentwicklung während und nach der Infektion beeinflussen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der klinisch relevanten Gewichtsveränderungen, definiert als Zu- oder Abnahme zum Ausgangsgewicht von ≥5%, innerhalb von 12 Monaten nach SARS-CoV-2-Infektion sowie möglicher Zusammenhänge mit soziodemografischen, klinischen und psychosozialen Faktoren.

Material & Methoden: Anhand von Daten der sektorenübergreifenden Plattform (SÜP) des Nationalen Pandemie Kohorten Netzwerks (NAPKON) wurden Gewichtsveränderungen und deren Prädiktoren mittels uni- und multivariabler logistischer Regression analysiert.

Ergebnisse: Die Studienpopulation umfasste n=963 Erwachsene mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion (40,1% weiblich, Ø 55,9 Jahre). Nach der Hospitalisierung nahm das mittlere Gewicht leicht ab (♀ −0,3 kg; ♂ −1,1 kg) und stieg bis zum 3-Monats-Follow-up wieder auf Ausgangsniveau. Nach 12 Monaten hatten ein Drittel (32,8%) der Teilnehmenden Gewicht zugenommen. Männer nahmen signifikant häufiger zu als Frauen (36,6% vs. 27,8%; p=0,016), wohingegen Frauen im Mittel mehr Gewicht zunahmen (1,7 kg vs. 0,4 kg). Ein höherer Ausgangs-BMI (OR=1,06; p=0,003) sowie längere Krankenhausaufenthalte (OR=1,02; p=0,033) waren unabhängig mit Gewichtsverlust assoziiert, während für Gewichtszunahme ein niedrigerer Ausgangs-BMI der einzige signifikante Prädiktor war (OR=0,93; p=0,014). Psychosoziale Faktoren waren nach Adjustierung nicht signifikant mit Gewichtsveränderungen assoziiert.

Diskussion: Gewichtsveränderungen nach SARS-CoV-2 treten häufig auf, meist mit initialem Verlust und späterer Zunahme. Klinische Faktoren wie Ausgangs-BMI und Krankenhausaufenthalt beeinflussen den Verlauf stärker als psychosoziale Aspekte. Zusätzlich könnten Lockdowns die Gewichtsentwicklung mitgeprägt haben, wobei Studien darauf hinweisen, dass SARS-CoV-2-Infektionen selbst mit langfristigen Gewichtstrajektorien assoziiert sind, die über pandemiebedingte Lebensstilveränderungen hinausgehen.

Take Home Message für die Praxis: Hausärzt:innen sollten das Gewicht ihrer Patient:innen nach COVID-19 überwachen und bei Auffälligkeiten frühzeitig beraten, um langfristige gesundheitliche Risiken zu reduzieren.

Interessenkonflikte: Keine