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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wenn Worte nicht reichen: Implementierung und Evaluation eines Moduls zur Gebärdensprache im Medizinstudium

Lisa Mey - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Teresa Festl-Wietek - Eberhard-Karls-Universität Tübingen, TIME – Tübingen Institute for Medical Education, Tübingen, Deutschland
Juliane Schwille-Kiuntke - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Jessica Gröninger - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Anne Hermann-Werner - Eberhard-Karls-Universität Tübingen, TIME – Tübingen Institute for Medical Education, Tübingen, Deutschland
Stefanie Joos - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
Thorsten Doneith - Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland

Text

Hintergrund: In Deutschland leben rund acht Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Sie sind gesundheitlich unterversorgt. Ursachen sind Barrieren im Zugang zur Versorgung unter anderem in der Kommunikation. Diese zeigen sich besonders im Umgang mit gehörlosen Menschen, die Gebärdensprache nutzen, und führen zu Verständigungsproblemen und Versorgungsdefiziten.

Zielsetzung/Fragestellung: Trotz Anknüpfungspunkten im NKLM existieren bislang nur wenige Lehrformate zum Umgang mit gehörlosen Patientinnen und Patienten. Im Rahmen des Tübinger „Ganzkörperuntersuchungskurs all inclusive“ wurde ein Modul zur Gebärdensprache mit Fokus auf sensibler und professioneller Kommunikation entwickelt und pilotiert. Ziel der Evaluation war es kommunikative Kompetenzen im Umgang mit Menschen mit Behinderung zu erfassen.

Material & Methoden: Zielgruppe waren vorklinische und klinische Studierende der Humanmedizin, die Dozentin ist Child of Deaf Adults (CODA) und geprüfte DGS-Dolmetscherin. Das Modul kombinierte theoretische Impulse mit interaktiven Übungen in Kleingruppen. Kommunikative Kompetenzen wurden anhand eines selbstentwickelten Fragebogens (Likert-Skala 1–5) erhoben.

Ergebnisse: Insgesamt nahmen n=22 an der Umfrage teil (Rücklaufquote 91,7%). Studierende schätzten nach dem Kurs ihre Kompetenzen als hoch ein, insbesondere bei nonverbaler Kommunikation (MW 4,0), Verständnissicherung (MW 4,2) und angepasstem Sprachstil (MW 3,7).

Zwei Drittel der Studierenden (n=15/22) nutzten das Freitextfeld. Zentrale Themen waren der Wunsch nach einem zeitlichen Ausbau des Kurses (n=13/15) sowie eine hohe Wertschätzung des persönlichen Kontakts (n=3/15). Ein wichtiger Aspekt war außerdem die positive Lernatmosphäre (n=10/15).

Diskussion: Das Modul scheint relevante kommunikative Anforderungen im Umgang mit Menschen mit Behinderung zu adressieren. Der Wunsch nach zeitlicher Intensivierung unterstreicht die bestehende curriculare Lücke im Medizinstudium. Die curriculare Verankerung entsprechender Inhalte kann langfristig zur Verbesserung der Versorgung beitragen. Perspektivisch soll die Evaluation um eine längsschnittliche Prä-Post-Befragung erweitert werden.

Take Home Message für die Praxis: Studierende bewerten ein Modul zur Gebärdensprache positiv und sehen Bedarf für eine curriculare Verankerung entsprechender Lehrangeboten.

Interessenkonflikte: Hinweis: Ein Abstract ähnlichen Inhalts wurde bei der GMA-Jahrestagung eingereicht.