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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Trends bei der klimabewussten Verschreibung von inhalativen Arzneimitteln – ein Vergleich zwischen vier europäischen Ländern

Guido Schmiemann - Universität Bremen, Abteilung für Versorgungsforschung, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Bremen, Deutschland
Malek Chaabouni - Asklepios Tumorzentrum Hamburg, Abteilung für Onkologie, Hämatologie, Palliativmedizin, Rheumatologie und Pneumologie, Hamburg, Deutschland
Vojislav Ivetić - University of Maribor, Department of Family Medicine, Maribor, Slowenien
Christian Grah - Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe gGmbH, Klinik für Anthroposophische Medizin, Deutschland
Jeremias Cierpka - Heidelberger Institut für Global Health, Universität Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
Caroline Acuda - University of Oxford, Bennett Institute for Applied Data Science, Nuffield Dept of Primary Care Health Sciences, Oxford, Großbritannien
Michael Dörks - Universität Oldenburg, Department für Versorgungsforschung, Oldenburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Verordnung von Inhalativa zur Behandlung von Atemwegserkrankungen beruht auf klinischen Erwägungen und berücksichtigt die Umweltauswirkungen der Verschreibung. Dosierinhalatoren enthalten Treibgase, die erheblich zu den CO₂-Emissionen beitragen. Gleichzeitig stehen mit Pulverinhalatoren (DPI) klinisch gleich wirksame Alternativen zur Verfügung. Um den Fußabdruck des Gesundheitswesens zu reduzieren, werden in Leitlinien zunehmend DPI empfohlen.

Zielsetzung/Fragestellung: Wie hat sich der Verordnungsanteil von DPI an allen Inhalativa in Deutschland (D), Belgien (B), England (UK) und Slowenien(SLO) zwischen 2014 und 2023 entwickelt?

Gibt es Unterschiede in den nationalen Leitlinien in Bezug auf die Auswahl des Inhalationssystems?

Material & Methoden: Verschreibungsdaten wurden anhand der ATC Klassifikations analysiert. Produktspezifische Verschreibungsraten wurden für kurz wirksame Beta-2-Agonisten (SABA), lang wirksame Beta-2-Agonisten (LABA), inhalative Kortikosteroide (ICS), Anticholinergika und Kombinationstherapien ermittelt: Adrenerge in Kombination mit Kortikosteroiden oder anderen Arzneimitteln, ausgenommen Anticholinergika (Combi 1) und Adrenerge in Kombination mit Anticholinergika, einschließlich Dreifachkombinationen mit Kortikosteroiden (Combi 2).

Nationale Leitlinienempfehlungen wurden durch eine Literatursuche ( Guideline international network und PubMed) identifiziert und deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse: Der Anteil der DPI an allen Verordnungen nahm insgesamt von 41% auf 32% ab. Die größte Abnahme erfolgte in der ATC Gruppe der Anticholinergika, auch in der Gruppe der inhalativen Kortikoide wurden in D, B, SLO weniger DPI verordnet. England hat die niedrigste Rate an DPI in dieser Gruppe (10,1% in 2023) verzeichnet jedoch als einziges Land eine Zunahme der Verordnungsrate. Auch in weiteren Auswertungen bestehen deutliche Unterschiede zwischen UK und den übrigen Ländern. Konkrete Leitlinienempfehlungen zur klimabewußten Verordnung werden nur in UK und D gemacht.

Diskussion: Trotz entgegengesetzter Leitlinienempfehlungen nimmt die Verordnung von Pulverinhalatoren in Deutschland eher ab. Die Machbarkeit einer Umstellung auf Praxisebene ist nachgewiesen, wie diese Umstellung auf Systemebene erfolgen kann ist bislang unklar. Möglicherweise kann eine stärkere Einbeziehung von Kostenträgern und Betroffenen dazu beitragen.

Take Home Message für die Praxis: Bei der Neuverordnung oder Überprüfung einer inhalativen Therapie sollte geprüft werden, ob eine Umstellung auf eine klimabewusste Verordnung (z.B der Einsatz von Pulverinhalatoren) möglich ist.

Interessenkonflikte: GS, MD sind Autoren der Leitlinien Klimabewusste Verordnung von Inhalativa.