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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Deprescribing potenziell schädlicher Medikamente zur Vermeidung einer Verschlechterung chronischer Herzinsuffizienz: ein Systematisches Review
Text
Hintergrund: Patient:innen mit chronischer Herzinsuffizienz (HI) haben häufig Multimorbidität und erhalten dafür ggf. Medikamente, die die HI verschlimmern können. Die NVL HI benennt zwar zu vermeidende Wirkstoffe, jedoch ohne konkrete Handlungsempfehlungen. In der hausärztlichen Versorgung ist Deprescribing als überwachter Prozess des Absetzens, Austauschens oder Reduzierens von Medikamenten notwendig, aber herausfordernd. Veränderungen von Einstellungen und Verhaltensweisen (Capability, Opportunity, Motivation; COM-B-Modell) können den Erfolg erhöhen.
Zielsetzung/Fragestellung: Wie wirksam sind gezielte Deprescribing-Maßnahmen für Medikamente zur Behandlung von Multimorbidität bei Patient:innen mit HI, die eine Verschlechterung der HI verursachen können? Welche Methoden zur Verhaltensänderung kommen dabei zum Einsatz?
Material & Methoden: Es wurde ein systematisches Review (PROSPERO:CRD420251026934) von 2005–2025 in Medline (PubMed), Embase, Scopus, Cochrane und Google Scholar durchgeführt. Die Suche umfasste Schlüsselwörter (z. B. dose reduction, discontinuation) und Medical Subject Headings (z. B. inappropriate prescribing, heart failure). Eingeschlossen wurden Studien mit Erwachsenen in der Primärversorgung, die Deprescribing potenziell HI-verschlechternder Medikamente untersuchten. Mindestens zwei Reviewer waren an Studienauswahl und Datenextraktion beteiligt. Die Ergebnisse wurden narrativ synthetisiert und anhand des COM-B-Modells zur Identifikation wirksamer Interventionskomponenten ausgewertet.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 45 Studien eingeschlossen: 26 untersuchten einzelne Medikamente – u.a. Psychopharmaka (n = 12) und NSAR (n = 7) -, 19 mehrere Medikamente. Häufigste Interventionen waren strukturierte Medikationsreviews und Edukationsmaßnahmen für Ärzt:innen und Apotheker:innen. Die meisten Interventionen adressierten mehrere COM-B-Konstrukte und zeigten eine heterogene Effektivität. Motivation und Opportunity wurden häufiger berücksichtigt als Capability.
Diskussion: Die meisten eingeschlossenen Studien adressieren alle COM-B-Komponenten, bei gemischten Wirksamkeitsergebnissen. Die Übertragbarkeit auf Herzinsuffizienz-Populationen kann eingeschränkt sein, da nicht alle Studien diese Gruppe explizit untersucht haben.
Take Home Message für die Praxis: Die meisten verhaltensbezogenen Deprescribing-Interventionen bei potenziell HI-verschlechternden Medikamenten sind Medikationsreviews sowie Edukationsmaßnahmen für Ärzt:innen und Apotheker:innen. Ihre Wirksamkeit ist heterogen, was auf die Notwendigkeit einer kontextspezifischen Anwendung in der Praxis hindeuten könnte.
Interessenkonflikte: Keine



