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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Shared Decision Making in der Physiotherapie – Zusammenhänge zwischen erlebtem Autonomiebedürfnis und Mitbestimmung von ambulanten Patient:innen – Studienprotokoll
Text
Hintergrund: Physiotherapie ist ein häufig verordnetes Heilmittel. Shared Decision Making (SDM) gilt als Kernelement patient:innenzentrierter Versorgung und ist mit höherer Zufriedenheit und Adhärenz assoziiert. Im physiotherapeutischen Setting ist die aktive Beteiligung der Patient:innen für den Therapieerfolg besonders relevant. Bislang fehlen empirische Daten zum Zusammenhang zwischen erlebtem SDM und Autonomiepräferenz in der ambulanten Physiotherapie.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen erlebtem SDM Autonomiebedürfnis und Zufriedenheit mit der Behandlung bei ambulant behandelten Patient:innen quantitativ zu untersuchen.
Zudem wird geprüft, ob Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Gesundheitskompetenz etc. diesen Zusammenhang moderieren. Ergänzend werden subjektive Erfahrungen mit SDM qualitativ exploriert.
Material & Methoden: Es ist geplant, ein sequenzielles Mixed-Methods-Design anzuwenden.
Teilstudie 1 ist eine quantitative Querschnittsstudie in ambulanten Praxen mit ca. 240 Patient:innen. Erhebungsinstrumente sind SDM-Q-9, API-dm (Autonomy Preference Index), HLS19-COM-P-Q6, Zufriedenheit mit der Behandlung sowie soziodemografische und klinische Variablen. Die Analyse umfasst deskriptive Statistik sowie multiple logistische Regressions- und Moderationsanalysen.
Teilstudie 2 umfasst leitfadengestützte Einzelinterviews mit qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz zur vertiefenden Interpretation der quantitativen Ergebnisse.
Ergebnisse: Es wird erwartet, dass SDM mit erhöhter Zufriedenheit mit der Behandlung mit höherem SDM und ein höheres Autonomiebedürfnis positiv mit dem erlebten SDM korreliert. Zudem werden moderierende Effekte von Gesundheitskompetenz und Bildungsniveau angenommen. Die qualitativen Daten sollen differenzierte Muster zu Entscheidungsrollen und Kommunikationswahrnehmung sowie Förderfaktoren und Barrieren identifizieren.
Diskussion: Die Studie adressiert eine relevante Forschungslücke in der ambulanten physiotherapeutischen Versorgung. Ein besseres Verständnis individueller Autonomiepräferenzen kann helfen, SDM differenzierter umzusetzen und Kommunikationsstrategien anzupassen. Mixed-Methods ermöglicht sowohl hypothesenprüfende als auch theoriegenerierende Erkenntnisse. Limitationen ergeben sich aus dem Querschnittsdesign und möglicher Selektionsverzerrung.
Take Home Message für die Praxis: Es wird erwartet, dass die Kommunikation in der Physiotherapie bedarfsgerecht und individuell angepasst werden sollte, um die patient:innenzentrierte Versorgung weiterzuentwickeln.
Interessenkonflikt: Es bestehen keine finanziellen Interessenkonflikte. Der Autor ist nebenberuflich als Physiotherapeut tätig.



