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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

(Haus-)ärztliche Versorgung von Post-Covid-Betroffenen – Ergebnisse einer bundesweiten Querschnittsbefragung (LCovB-Studie)

Jennifer Marie Burchardi - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Lea Rückgauer - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Johanna Schuster - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Martin Brünger - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Das Post-COVID-Syndrom (PCS) stellt die ambulante Versorgung vor große Herausforderungen, da adäquate Versorgungskonzepte fehlen. Hausärztliche Praxen sind die primäre Anlaufstelle, doch die Versorgungspfade verlaufen oft langwierig: Ein Fünftel der Betroffenen konsultiert über zehn verschiedene Ärzt:innen. Lange Wartezeiten auf fachärztliche Termine sowie die Stigmatisierung durch Psychologisierung postviraler Symptome verdeutlichen aktuelle Versorgungsdefizite.

Zielsetzung/Fragestellung: Die Teil-Studie des Innovationsfonds-Projekts „Versorgungssituation von Long-/Post-COVID-Betroffenen verbessern (LCovB)“ untersucht die Versorgungserfahrungen und -bedarfe von PCS-Betroffenen.

Material & Methoden: Im Rahmen der Mixed-Methods-Studie „LCovB“ wurde im Herbst 2025 eine bundesweite Hybrid-Befragung durchgeführt (DRKS00037343). Adressiert wurden N = 2.854 Versicherte zweier Betriebskrankenkassen mit dokumentierter PCS-Diagnose (U09.9!). Der Fragebogen erfasste neben soziodemografischen Daten und Symptomlast insbesondere die Inanspruchnahme und Zufriedenheit mit der Versorgung. Von n = 803 Rückläufen wurden Personen ohne Kenntnis ihrer Diagnosestellung (n = 128) ausgeschlossen.

Ergebnisse: Bei den n = 658 Befragten (Ø 56 Jahre; 70% weiblich) waren die Leitsymptome verminderte Belastbarkeit, Fatigue, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Gelenk- oder Muskelschmerzen sowie neurologische Beschwerden. Die hausärztliche Versorgung wurde von 71% der Befragten, die Fachrichtungen Neurologie, Innere Medizin, Physikalische/Rehabilitative Medizin von ca. 20% mindestens fünfmal aufgesucht. Nur ein Drittel hatte keine Schwierigkeiten, aus subjektiver Sicht notwendige ärztliche Behandlungen oder Therapien zu erhalten. Gewünscht wurden primär mehr Gesprächsangebote/Ansprechpersonen, ambulante Therapien und symptomorientierte Behandlungen. Über die Hälfte der Betroffenen fühlte sich medizinisch nicht ernst genommen.

Diskussion: Die Ergebnisse bestätigen erhebliche Versorgungsdefizite infolge von Wissenslücken sowie mangelnden Ansprechpersonen und Therapie-/Behandlungsangeboten. Es bedarf einer stärkeren Sensibilisierung für das Krankheitsbild, einer interdisziplinären hausärztlichen Beratung sowie verbesserter Zugangsstrukturen zu spezifisch angepassten rehabilitativen und therapeutischen Maßnahmen.

Take Home Message für die Praxis: Zur Optimierung der Versorgung von PCS-Betroffenen sind kontinuierliche Aufklärung, klare Behandlungsempfehlungen und die Etablierung verlässlicher Ansprechpersonen essenziell.

Interessenkonflikte: Keine