- Conferences Overview
- Gesundheit gestalten
- Krankheitsattributionen und Krankheitsverlauf bei Patient:innen in einer universitären Post-COVID-Ambulanz
Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Krankheitsattributionen und Krankheitsverlauf bei Patient:innen in einer universitären Post-COVID-Ambulanz
Text
Hintergrund: Die Überzeugungen von Patient:innen über die Ursache ihrer Erkrankung können von den Ansichten von Expert:innen abweichen. Sie haben jedoch einen hohen Einfluss auf den Umgang mit der Erkrankung und die Wahl der Behandlung.
Zielsetzung/Fragestellung: Im Kontext des Post-Covid-Syndroms (PCS), dessen Ätiologie auch unter Expert:innen noch nicht abschließend geklärt ist, ist es daher relevant zu untersuchen, wie sich Patient:innen die Entwicklung ihrer Beschwerden erklären.
Material & Methoden: Patient:innen, die eine universitäre Post-Covid-Ambulanz aufsuchten, füllten beim Erstkontakt und im Verlauf einen Fragebogen aus, der soziodemografische Daten, Symptome und deren Schweregrad sowie eine offene Frage zur PCS-Attribution umfasste. Die offenen Antworten wurden von zwei Raterinnen unabhängig voneinander kategorisiert und anschließend mit einer dritten Person abgestimmt.
Ergebnisse: An der Studie nahmen 171 Patient:innen teil. Insgesamt wurde bei 106 Patient:innen (62%) ein PCS festgestellt. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmenden betrug 42,4 Jahre, 72,4% identifizierten sich als weiblich. Die größte Gruppe der Befragten (35,2%) gab an, nicht zu wissen, warum sich ihre Beschwerden nach dem Infekt so entwickelt haben. Als häufigste spezifische Attribution wurde „Stress bzw. Überlastung“ genannt (25,7%), gefolgt von „fehlender Schonung“ (17,1%) und einem „schwachen Immunsystem“ (15,2%). Hinsichtlich der Veränderung der Schwere körperlicher Erschöpfung sowie psychischer Symptome zeigten sich im Verlauf keine signifikanten Unterschiede zwischen verschiedenen Attributionsarten. Lediglich bei Patient:innen ohne Vorstellung über die Entwicklung ihrer Beschwerden war im Follow-up eine geringe Zunahme der ängstlichen Symptomatik (im GAD-7) zu beobachten, während die übrigen Attributionsarten mit einer signifikanten Abnahme der Angstwerte einhergingen. Die Patient:innengruppe ohne subjektive Ursachenvorstellung nahm zudem im Vergleich zu Patient:innen mit einer oder mehreren Ursachenvorstellungen weniger Behandlungsmaßnahmen in Anspruch.
Diskussion: Nur 55% der Patient:innen berichteten eine konkrete Vorstellung zur Ursache ihrer nach dem Infekt entwickelten Beschwerden, wobei die Inhalte dieser Vorstellungen heterogen waren. Eine fehlende Erklärung für die Beschwerden kann Unsicherheit hervorrufen und scheint ein Risikofaktor für die Entwicklung von Ängsten sowie für eine unzureichende Behandlungssuche sein.
Take Home Message für die Praxis: Die Entwicklung eines gemeinsamen Krankheitsmodells kann helfen, Unsicherheiten im Therapieverlauf zu reduzieren.
Interessenkonflikte: Keine



