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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Krankheitsattributionen und Krankheitsverlauf bei Patient:innen in einer universitären Post-COVID-Ambulanz

Ying Zhang - Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Psychosomatik und Psychotherapie|, Heidelberg, Deutschland
Sandra Stengel - Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Katja Krug - Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Nicole Gretz - Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Simone Antin - Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Deutschland
Verena Zimmermann-Schlegel - Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Psychosomatik und Psychotherapie|, Heidelberg, Deutschland
Mechthild Hartmann - Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Psychosomatik und Psychotherapie|, Heidelberg, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Überzeugungen von Patient:innen über die Ursache ihrer Erkrankung können von den Ansichten von Expert:innen abweichen. Sie haben jedoch einen hohen Einfluss auf den Umgang mit der Erkrankung und die Wahl der Behandlung.

Zielsetzung/Fragestellung: Im Kontext des Post-Covid-Syndroms (PCS), dessen Ätiologie auch unter Expert:innen noch nicht abschließend geklärt ist, ist es daher relevant zu untersuchen, wie sich Patient:innen die Entwicklung ihrer Beschwerden erklären.

Material & Methoden: Patient:innen, die eine universitäre Post-Covid-Ambulanz aufsuchten, füllten beim Erstkontakt und im Verlauf einen Fragebogen aus, der soziodemografische Daten, Symptome und deren Schweregrad sowie eine offene Frage zur PCS-Attribution umfasste. Die offenen Antworten wurden von zwei Raterinnen unabhängig voneinander kategorisiert und anschließend mit einer dritten Person abgestimmt.

Ergebnisse: An der Studie nahmen 171 Patient:innen teil. Insgesamt wurde bei 106 Patient:innen (62%) ein PCS festgestellt. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmenden betrug 42,4 Jahre, 72,4% identifizierten sich als weiblich. Die größte Gruppe der Befragten (35,2%) gab an, nicht zu wissen, warum sich ihre Beschwerden nach dem Infekt so entwickelt haben. Als häufigste spezifische Attribution wurde „Stress bzw. Überlastung“ genannt (25,7%), gefolgt von „fehlender Schonung“ (17,1%) und einem „schwachen Immunsystem“ (15,2%). Hinsichtlich der Veränderung der Schwere körperlicher Erschöpfung sowie psychischer Symptome zeigten sich im Verlauf keine signifikanten Unterschiede zwischen verschiedenen Attributionsarten. Lediglich bei Patient:innen ohne Vorstellung über die Entwicklung ihrer Beschwerden war im Follow-up eine geringe Zunahme der ängstlichen Symptomatik (im GAD-7) zu beobachten, während die übrigen Attributionsarten mit einer signifikanten Abnahme der Angstwerte einhergingen. Die Patient:innengruppe ohne subjektive Ursachenvorstellung nahm zudem im Vergleich zu Patient:innen mit einer oder mehreren Ursachenvorstellungen weniger Behandlungsmaßnahmen in Anspruch.

Diskussion: Nur 55% der Patient:innen berichteten eine konkrete Vorstellung zur Ursache ihrer nach dem Infekt entwickelten Beschwerden, wobei die Inhalte dieser Vorstellungen heterogen waren. Eine fehlende Erklärung für die Beschwerden kann Unsicherheit hervorrufen und scheint ein Risikofaktor für die Entwicklung von Ängsten sowie für eine unzureichende Behandlungssuche sein.

Take Home Message für die Praxis: Die Entwicklung eines gemeinsamen Krankheitsmodells kann helfen, Unsicherheiten im Therapieverlauf zu reduzieren.

Interessenkonflikte: Keine