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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Sozialer Kontext der Erkrankungsentstehung bei Gestationsdiabetes mellitus (GDM): retrospektive Längsschnittanalyse von Qualitätsdaten eines universitären Level-1-Perinatalzentrums

Joachim Graf - Universitätsklinikum Tübingen, Department für Frauengesundheit/ Abteilung Hebammenwissenschaft, Tübingen, Deutschland
Harald Abele - Universitätsklinikum Tübingen, Department für Frauengesundheit/ Abteilung Hebammenwissenschaft, Tübingen, Deutschland

Text

Hintergrund: Der Gestationsdiabetes (GDM) zählt zu den Erkrankungen mit steigender epidemiologischer Bedeutung: 2010 bis 2020 hat sich die GDM-Inzidenz in Deutschland von 9,4% auf 15,1% erhöht. Aus Public Health Perspektive ist von Relevanz, inwiefern Lebensbedingungen und soziale Faktoren Einfluss auf das GDM-Risiko nehmen.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht werden sollte, wie sich die GDM-Inzidenz in einem zehnjährigen Beobachtungszeitraum in einem Kollektiv eines universitären Level-1-Perinatalzentrums entwickelt hat und ob diese durch soziale Parameter und soziale Risikofaktoren, wie sie im Rahmen der einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (Perinatalerhebung) routinemäßig erfasst werden, beeinflusst wurde.

Material & Methoden: Vorliegende Arbeit war als retrospektive Trendstudie konzipiert, eingeschlossen wurden 31.915 Geburten. Auf einen möglichen Einfluss hin untersucht wurden u.a. der soziale Parameter Berufstätigkeit der Mutter sowie die im Mutterpass dokumentierten (sozialen) Risikofaktoren Status Vielgebärende, rasche Schwangerschaftsfolge, besondere psychische und besondere soziale Belastung. Untersucht wurde nicht nur deren Einfluss auf die GDM-Inzidenz sondern auch auf die Prozess- und Outcomeparameter Schwangerschaftsvorsorge, peripartale Verweildauer und Geburtsgewicht.

Ergebnisse: Berufstätigkeit erhöhte das GDM-Risiko ebenso (Odds Ratio (OR) = 1,32) wie die sozialen Risikofaktoren rasche Schwangerschaftsfolge (OR = 1,35), Status Vielgebärende (OR = 2,01) und besondere psychische Belastung (OR = 1,60). Bei vorliegendem Status Vielgebärende zeigte sich eine signifikant geringere Inanspruchnahme der Schwangerenvorsorge und bei besonderer psychischer Belastung ein signifikant geringeres Geburtsgewicht und eine signifikant längere peripartale Verweildauer. Bei GDM-Fällen reduzierte der Status Vielgebärende die Inanspruchnahme der Schwangerenvorsorge.

Diskussion: Nachgewiesen werden konnte ein signifikanter Einfluss sozialer Risikofaktoren auf die GDM-Inzidenz und ausgewählte Prozess- und Outcomeparameter. Vor dem Hintergrund der Vorgaben von §20 SGB V zur Verminderung sozial bedingter sowie geschlechtsbezogener Ungleichheit von Gesundheitschancen bedarf es der Entwicklung von wirkungsvollen Präventionsmaßnahmen.

Take Home Message für die Praxis: Für die Praxis bedeutet dies, der Entwicklung einer niedrigschwelligen, frauenzentrierten und zugleich milieuspezifischen Versorgung Vorschub zu leisten.

Interessenkonflikte: Keine