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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Sozioökonomische Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung während der zweiten Lebenshälfte in Deutschland, 1996–2023

Jens Hoebel - Robert Koch-Institut, Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland
Enno Nowossadeck - Robert Koch-Institut, Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland
Sonja Nowossadeck - Deutsches Zentrum für Altersfragen, Deutschland
Stefan Stuth - Deutsches Zentrum für Altersfragen, Deutschland
Fabian Tetzlaff - Robert Koch-Institut, Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit, Deutschland

Text

Hintergrund: Im Gegensatz zu vielen anderen Hocheinkommensländern können amtliche Sterbedaten in Deutschland nicht für sozioökonomische Gruppen differenziert werden. Hierzulande sind somit Alternativen zu erschließen, um soziale Ungleichheiten im Sterbegeschehen zu untersuchen.

Zielsetzung/Fragestellung: Erstmals wird auf Basis des Deutschen Alterssurvey (DEAS) die Möglichkeit erschlossen, sozioökonomische Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung zu schätzen.

Material & Methoden: Beim DEAS handelt es sich um eine offene Kohorte, die auf bundesweiten Zufallsstichproben von Personen im Alter ab 40 Jahren basiert. Es werden Daten des Vitalstatus-Follow-up von 1996 bis 2023 verwendet (n=20.434). Die sozioökonomische Position wird mittels Bildungsstand (Schul- und Berufsabschlüsse), beruflicher Position (Anforderungsniveau der Tätigkeit) und Einkommen (Äquivalenzeinkommen) bestimmt. Anhand von Cox-Proportional-Hazard-Modellen werden Hazard Ratios (HR) für das Mortalitätsrisiko nach sozioökonomischer Position berechnet, kontrolliert für Alter, Migrationsstatus, Region, Urbanität (und Geschlecht). Diese werden zur Gewichtung amtlicher Sterbetafeln genutzt, um sozial differenzielle Lebenserwartungen im Alter ab 40 Jahren zu schätzen.

Ergebnisse: Die vorläufigen Ergebnisse zeigen höhere Mortalitätsrisiken für Personen mit niedriger Bildung (HR 1,7; 95%-KI 1,5–2,0), niedriger beruflicher Position (HR 1,9; 95%-KI 1,5–2,2) und niedrigem Einkommen (HR 1,9; 95%-KI 1,6–2,2) im Vergleich zu Gleichaltrigen mit jeweils hoher sozioökonomischer Position. Auch nach wechselseitiger Adjustierung bleiben Bildung, Beruf und Einkommen jeweils eigenständig mit der Mortalität assoziiert. Unter Männern sind die HR höher als unter Frauen. Bei der ferneren Lebenserwartung im Alter ab 40 Jahren liegen die Differenzen zwischen den niedrigen und hohen sozioökonomischen Gruppen je nach Geschlecht und sozioökonomischem Indikator zwischen 3,2 und 9,8 Jahren.

Diskussion: Die Kombination von DEAS-Daten und amtlichen Sterbetafeln ermöglicht eine Quantifizierung sozialer Unterschiede in der Lebenserwartung für Deutschland. Die jeweils eigenständige Bedeutung von Bildung, Beruf und Einkommen legt nahe, dass diese sozioökonomischen Faktoren über jeweils eigene Kausalpfade auf Gesundheit wirken.

Take Home Message für die Praxis: Strategien zur Reduzierung der gesundheitlichen Ungleichheit müssen an vielfältigen Stellen in der Kausalstruktur zwischen sozioökonomischer und gesundheitlicher Ungleichheit ansetzen.

Interessenkonflikte: Keine