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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Misstrauen in das deutsche Gesundheitssystem – Ausmaß, soziale Ungleichheiten und Zusammenhänge mit Versorgungsparametern

Jens Klein - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie, Hamburg, Deutschland
Anna Christin Makowski - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie, Hamburg, Deutschland
Demet Dingoyan - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie, Hamburg, Deutschland
Olaf von dem Knesebeck - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem wird zunehmend als Hindernis für eine adäquate Gesundheitsversorgung diskutiert. Skepsis gegenüber öffentlichen Institutionen und Anfälligkeit für Desinformationen fördern zudem die Problematik. Bisherige Studien stammen hauptsächlich aus den USA und fokussierten sich auf ethnische Zugehörigkeit sowie Patient:innenpopulationen, während es nur wenige Arbeiten aus Deutschland zu diesem Themenfeld gibt.

Zielsetzung/Fragestellung: Basierend auf einem konzeptionellen Modell zu Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem zielte die Studie darauf ab, Ausmaß und soziale Ungleichheiten von Misstrauen in Deutschland zu überprüfen sowie Zusammenhänge mit ungedecktem Versorgungsbedarf und Non-Adhärenz zu analysieren.

Material & Methoden: Die bevölkerungsrepräsentativ gewichtete Zufallsstichprobe (N=3.246; 02/2024) basierte auf einem Online-Panel der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland. Das Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem wurde anhand der „Revised Health Care System Distrust scale“ inklusive der Subskalen „Kompetenz“ und „Werte“ gemessen. Zwei Items zur Messung von Versorgung sowie verschiedene Merkmale sozialer Ungleichheit wurden zusätzlich einbezogen.

Ergebnisse: Etwa ein Fünftel der Befragten widersprach beispielsweise der Aussage, dass das Gesundheitssystem sein Bestes tut, um die Gesundheit der Patienten zu verbessern. Des Weiteren stimmte ein Drittel zu, dass das Geldverdienen über die Bedürfnisse der Patienten gestellt wird. Regressionsanalysen ergaben sowohl für die Kompetenz-Skala (Geschlecht, Alter, Bildung) als auch für die Werte-Skala (Alter, Migrationsgeschichte, Bildung und Einkommen) signifikante soziale Ungleichheiten, während der Versicherungsstaus keine Rolle spielte. Darüber hinaus war bei beiden Subskalen Misstrauen signifikant mit einem erhöhten Risiko inadäquater Versorgung verbunden.

Diskussion: Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem ist in Deutschland weit verbreitet, sozial ungleich verteilt und mit ungedecktem Versorgungsbedarf sowie Non-Adhärenz assoziiert. Um Misstrauen entgegenzuwirken, kommen gezielte, patientenzentrierte Interventionen in Bezug auf Kompetenz, Empathie, Kommunikation und eine gerechtere Versorgung in Betracht. Dabei ist auch eine zunehmendere Ökonomisierung des Gesundheitssystems zu thematisieren.

Take Home Message für die Praxis: Es ist erforderlich, Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem stärker in den Fokus zu rücken und zielgerichtete Interventionen einzuleiten.

Interessenkonflikte: Keine