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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Gesundheitskompetenz und Vertrauen in Gesundheitsinformationen: Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Studie in Deutschland

Himal Singh - Universität Bielefeld, Interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung, Bielefeld, Deutschland
Lennert Griese - Universität Bielefeld, Interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung, Bielefeld, Deutschland
Doris Schaeffer - Universität Bielefeld, Interdisziplinäres Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung, Bielefeld, Deutschland

Text

Hintergrund: In Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheiten, gekennzeichnet durch Fehl- und Falschinformationen, nimmt das Vertrauen in Gesundheitsprofessionen und -institutionen rapide ab. Es ist jedoch zentral für die Umsetzung gesundheitsbezogener Empfehlungen. Vertrauensverlust in Institutionen erhöht die Anfälligkeit für die Rezeption irreführender Informationen und kann negative Folgen für die individuelle und öffentliche Gesundheit haben. Gesundheitskompetenz (GK) ermöglicht es u. a., zwischen vertrauenswürdigen und unzuverlässigen Quellen zu unterscheiden.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wird 1) welche Informationsquellen in Deutschland am häufigsten bei der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen bevorzugt werden und 2) inwiefern das GK-Niveau mit der Auswahl präferierter Informationsquellen zusammenhängt. Präferierte Informationsquellen werden hierbei als Indikator für Vertrauen angesehen.

Material & Methoden: Die Daten stammen aus der dritten bevölkerungsweiten Studie zur GK in Deutschland (HLS-GER 3). In einer repräsentativen Querschnittsbefragung wurden 2024/25 insgesamt n = 2.648 Erwachsene mittels papierassistierter persönlicher Interviews (PAPI) befragt. Die GK wurde mit dem HLS19-Q47 erhoben. Präferierte Informationsquellen wurden über die Auswahl von bis zu drei Optionen aus 18 vorgegebenen Quellen erfasst. Zusammenhänge zwischen Informationsquellen und GK wurden mittels logistischer Regressionsanalysen untersucht.

Ergebnisse: Die am häufigsten priorisierten Informationsquellen bilden Hausärzt:innen (78,2%), Internetseiten (49,0%) und Fachärzt:innen (41,5%) und genießen hohes Vertrauen. Eine geringe GK ist signifikant häufiger mit der Präferenz für Gesundheitsinformationen aus dem Fernsehen (OR: 1,64; 95% KI: 1,25–2,15) sowie von Familienmitgliedern (OR: 1,33; 95% KI: 1,13–1,56) assoziiert. Demgegenüber ist die Präferenz für Fachärzt:innen (OR: 0,83; 95% KI: 0,71–0,97) und Internetseiten (OR: 0,61; 95% KI: 0,53–0,72) mit einer niedrigeren Chance für geringe GK assoziiert.

Diskussion: Hausärzt:innen bleiben trotz der zunehmend digitalen und fragmentierten Informationslandschaft die wichtigste Anlaufstelle für gesundheitsbezogene Informationen. Eine höhere GK geht mit einer stärkeren Orientierung an evidenzbasierten verlässlichen Informationsquellen wie Fachärzt:innen einher. Damit wird die Bedeutung von GK für die Förderung des Vertrauens in evidenzbasierte Gesundheitsinformationen unterstrichen.

Take Home Message für die Praxis: Die Förderung der GK ist zur Stärkung des Vertrauens in Gesundheitsprofessionen von hoher Bedeutung.

Interessenkonflikte: Es besteht kein Interessenskonflikt.