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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Psychiatrische Erkrankungen im Kontext von Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland – eine geschlechtssensible Perspektive auf Daten des sozialmedizinischen Dienstes der Bundesagentur für Arbeit

Dennis Jepsen - Universitätsmedizin Halle, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Deutschland
Kirsi Manz - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, Hannover, Deutschland
Jan Schildmann - Universitätsmedizin Halle, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Profilzentrum Gesundheitswissenschaften, Deutschland
Gabriele Lotz-Metz - Ärztlicher Dienst der Bundesagentur für Arbeit, Deutschland
Irene Moor - Universitätsmedizin Halle, Institut für Medizinische Soziologie, Profilzentrum Gesundheitswissenschaften, Deutschland
Andreas G. Franke - Ärztlicher Dienst der Bundesagentur für Arbeit, Deutschland; Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Obwohl sich Arbeitslosigkeit und psychische Probleme in dieser von Entwicklungsaufgaben geprägten Lebensphase häufig gegenseitig bedingen, fehlt es in Deutschland an Auswertungen umfassender epidemiologischer Daten.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Untersuchung ist es, auf Basis der Daten der sozialmedizinischen Begutachtung des Medizinischen Dienstes der Bundesagentur für Arbeit einen ersten Überblick über die Häufigkeit psychiatrischer Diagnosen im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, einschließlich potentieller Unterschiede nach Geschlecht und Altersgruppe zu erhalten.

Material & Methoden: Daten (N = 708.280; Alter 15–29) wurden von 2016–2021 erhoben und anhand binär-logistischer Regressionen sowie Χ²-Tests analysiert.

Ergebnisse: Psychiatrische Erkrankungen lagen bei 62% vor, am häufgisten Affektive Störungen, Neurotische, Belastungs- und Somatoforme Störungen sowie Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Frauen wiesen ein erhöhtes Risiko für die genannten Störungsgruppen auf, während bei Männern ein erhöhtes Risiko für Abhängigkeitserkrankungen, Schizophrenie, Hyperkinetische Störungen und Entwicklungsstörungen identifiziert wurde. Altersgruppenspezifische Unterschiede wurden bei allen Diagnosen erfasst, während ein jüngeres Alter als Prädiktor für Formen der Intelligenzminderung, der Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, tiefgreifende Entwicklungsstörungen sowie Hyperkinetische Störungen identifiziert wurde. Eine Arbeitsfähigkeit von weniger als drei Stunden wurde je nach Diagnose bei 25–70% festgestellt, während insbesondere die Diagnosen der Intelligenzminderung und Schizophrenie mit einer geringeren Arbeitsfähigkeit assoziiert waren.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen eine hohe Bedeutung psychiatrischer Erkrankungen für die Arbeitsfähigkeit junger Menschen. Unterschiede nach Geschlecht, Alter und Diagnose suggerieren spezifische Risikoprofile, die bei der Konzeptionierung zielgruppenspezifischer Interventionen in der psychosozialen Versorgung und Arbeitsmarktintegration relevant sind.

Take Home Message für die Praxis: Aufgrund der hohen Prävalenz psychischer Erkrankungen bei arbeitslosen jungen Menschen sollte die differenzierte Ausgestaltung von Prävention, Unterstützung und Arbeitsmarktintegration stärker fokussiert werden. Früh ansetzende, geschlechts- und diagnosesensible Interventionen erscheinen für die langfristige Förderung von Gesundheit und Selbstwirksamkeit hilfreich.

Interessenkonflikte: Keine