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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Zugangsbarrieren im deutschen Gesundheitssystem: Kosten versus Wartelisten
Text
Hintergrund: Zugangsbarrieren können notwendige Behandlungen verzögern, Outcomes verschlechtern und das Vertrauen in das Gesundheitssystem beeinträchtigen. Häufig diskutiert werden (1) lange Wartezeiten und (2) nicht bezahlbare Leistungen.
Zielsetzung/Fragestellung: Im Vortrag wird analysiert, welche Personengruppen in Deutschland häufiger von den beiden Barrieren „nicht bezahlbare Leistung“ bzw. „Warteliste zu lang“ betroffen sind.
Material & Methoden: Ausgewertet werden die Daten des International Social Survey Programme (ISSP) 2021. ISSP ist eine Querschnittstudie, die von 2021–2024 in 30 Ländern durchgeführt wurde. In Deutschland wurde dazu eine repräsentative geschichtete Stichprobe der erwachsenen Bevölkerung ausgewählt und postalisch befragt. Prädiktoren der Zugangsbarrieren wurden mittels logistischer Regression analysiert.
Ergebnisse: Befragt wurden 44.549 Teilnehmer in 30 Ländern, darunter 1.744 Personen aus Deutschland. Von den Befragten aus Deutschland haben 5,9% eine benötigte Behandlung im vergangenen Jahr nicht erhalten, weil sie sie nicht bezahlen konnten. Demgegenüber haben 22,5% Leistungen nicht erhalten, weil die Warteliste zu lang war. Von beiden Zugangsbarrieren sind folgende Gruppen häufiger betroffen: Personen, die sich in der gesellschaftlichen Hierarchie unten einstufen; Personen, die den Zugang generell als diskriminierend wahrnehmen; Personen mit Migrationshintergrund. Armutsgefährdung ist ein Risiko dafür, eine Leistung nicht bezahlen zu können, aber kein Risiko dafür, auf eine Warteliste gesetzt zu werden. Gesetzlich Krankenversicherte berichten häufiger von Wartelisten als Zugangsbarriere im Vergleich zu Privatversicherten. Zu hohe Kosten werden von gesetzlich Versicherten aber nicht häufiger als Zugangsbarriere benannt.
Diskussion: Eine Leistung nicht bezahlen zu können, ist seltener eine Zugangsbarriere als eine zu lange Warteliste. Die Prädiktoren für beide Zugangsbarrieren ähneln sich, wobei sozial Benachteiligte auch im Zugang zu Gesundheitsleistungen Nachteile erleben.
Take Home Message für die Praxis: 1. Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs sollten insbesondere Wartezeiten adressieren und vulnerable Gruppen gezielt berücksichtigen. 2. Die gesetzliche Krankenversicherung schützt vor Kostenbarrieren, jedoch nicht vor Wartelisten.
Interessenkonflikte: Keine



