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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Inanspruchnahme und Zugangsbarrieren zur ambulanten Versorgung in einem strukturell benachteiligten Stadtteil – Ergebnisse des partizipativen Community Health Survey Veddel

Ove Spreckelsen - Poliklinik Veddel, Deutschland; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Abteilung Allgemeinmedizin, Oldenburg, Deutschland
Ebou Uhlig - Poliklinik Veddel, Deutschland
Jonas Fiedler - Poliklinik Veddel, Deutschland
Anna Köster-Eiserfunke - Poliklinik Veddel, Deutschland; HAW Hamburg, Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik, Hamburg, Deutschland
Silke Betscher - HAW Hamburg, Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik, Hamburg, Deutschland
Carmen Koschollek - Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Anna Kühne - Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Dresden, Deutschland
Philipp Dickel - Poliklinik Veddel, Deutschland

Text

Hintergrund: Sozialräumliche Unterschiede in der Verfügbarkeit der ambulanten ärztlichen Versorgung bestehen auch innerhalb von städtischen Ballungsgebieten. Die Nicht-Inanspruchnahme von eigentlich benötigten medizinischen Leistungen gilt dabei als Indikator für Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem.

Zielsetzung/Fragestellung: Wie ist die Inanspruchnahme ambulanter medizinischer Versorgung im Hamburger Stadtteil Veddel? Bestehen Hinweise auf Zugangsbarrieren und unterscheiden sich diese nach soziodemografischen und sozialen Merkmalen?

Material & Methoden: Wir führten die Querschnittsbefragung Community Health Survey Veddel (CHS) als Vollerhebung sämtlicher Haushalte in Hamburg Veddel durch. Der CHS wurde in einem partizipativen Forschungsansatz mit der Nachbarschaft konzipiert, durchgeführt und ausgewertet (Erhebungszeitraum 11–12/2022). Es wurde nach dem Aufsuchen ärztlicher und therapeutischer Berufsgruppen und dem nicht in Anspruch nehmen eigentlich als benötigt eingeschätzter ambulanter medizinischer Versorgung innerhalb der letzten 12 Monate gefragt. Mittels bivariater Analysen wurden die Inanspruchnahme und Nicht-Inanspruchnahme der haus- und fachärztlichen Versorgung nach Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung und dem Geburtsland ausgewertet.

Ergebnisse: Es nahmen 561 Haushalte (Rücklauf 23,48%) an der Befragung teil. Innerhalb von 12 Monaten wurden von einer Mehrheit sowohl die haus- als auch fachärztliche Versorgung aufgesucht (88,6% und 53,3%). Soziale Gradienten zeigten sich bei den nicht in Anspruch genommenen, aber eigentlich als benötigt eingeschätzten Versorgungsleistungen (40,5% in der niedrigsten vs. 30,6% in der mittleren + 20,5% in der hohen Einkommensgruppe). Wartezeiten (35,7%) wurden am häufigsten als Gründe genannt.

Diskussion: Die Daten deuten auf eine hohe Inanspruchnahme der hausärztlichen Versorgung im Stadtteil Veddel hin, während sie gleichzeitig eine geringere Inanspruchnahme fachärztlicher Versorgung zeigen. Es scheinen insgesamt Zugangsbarrieren zu bestehen, die stärker die fachärztliche Versorgung aber auch die hausärztliche Versorgung und therapeutische Berufsgruppen betreffen und bei ärmeren Bevölkerungsgruppen am deutlichsten ausgeprägt sind. Partizipative Forschungsprojekte können Vertrauen schaffen und eine wichtige Grundlage für eine künftige bedarfsgerechtere Planung der Primärversorgung darstellen.

Take Home Message für die Praxis:

  • Strukturelle Unterschiede im Zugang zur ambulanten Versorgung bestehen auch auf kleinräumiger Ebene
  • Partizipativ erhobene Befragungsdaten könnten zu einer bedarfsgerechten Planung der Versorgung beitragen

Interessenkonflikte: Keine