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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wie beeinflussen soziale Faktoren die Behandlung von nicht-traumatischem Bauchschmerz in der Notaufnahme?

Katharina Verleger - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Antje Fischer-Rosinský - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Notfall- und Akutmedizin, Deutschland
Anna Slagman - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Notfall- und Akutmedizin, Deutschland
Yves-Noel Wu - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Notfall- und Akutmedizin, Deutschland
Martin Möckel - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Notfall- und Akutmedizin, Deutschland
Andreas Wagenknecht - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Dörte Huscher - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie, Deutschland
Liane Alexandra Schenk - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Akuter, nicht-traumatischer Bauchschmerz (NTBS) ist ein häufiges Symptom (6%–16%) in der Notaufnahme, das mit hoher Krankenhausmortalität (3%–4%) vergesellschaftet ist und dessen Versorgung in besonderem Maß von der Erfahrung des ärztlichen Personals abhängig ist. Mit der Abdominal Pain Unit (APU) wurde erstmalig ein strukturierter Diagnostik- und Behandlungspfad entwickelt und validiert, um die Versorgung von NTBS in der Notaufnahme zu standardisieren.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Rolle spielen die sozialen Faktoren Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, Bildung (CASMIN), Finanzsituation und soziale Unterstützung (OSLO-3) für die Versorgung des NTBS in der Notaufnahme?

Material & Methoden: Die prospektive, cluster-randomisierte, Stepped-Wedge-Studie APU erfolgte von 9/2021 bis 8/2023 in 10 deutschen Notaufnahmen. In diesem Beitrag wurden die primären Outcomes patientenberichteter Schmerz (NRS 0–10) und Zufriedenheit am Behandlungsende (ZUF-8, Wertebereich 8–32) mittels deskriptiver Verfahren exploriert, sowie multivariate Analysen (logistische Regression, GLMM-Sensitivitätsanalysen) zum Zusammenhang zwischen den o.g. sozialen Faktoren und den primären Endpunkten durchgeführt.

Ergebnisse: Von 2.119 Patient:innen waren 282 (13%) Migrant:innen (MIG) erster und 116 (5%) zweiter Einwanderergeneration (MIG1/2). MIG hatten ein niedrigeres Lebensalter (42 vs. 49 Jahre), einen höheren Frauenanteil (60% vs. 56%) und seltener einen dringlichen Triagestatus (74% vs. 80%) als Nicht-MIG. Ihr Bildungsstatus und ihre Finanzsituation waren vergleichbar (2,1 vs. 2,0; 2,4 vs. 2,3), OSLO-3 war niedriger (10,2 vs. 10,6). Der Schmerz am Behandlungsende war vergleichbar (4,1 vs. 3,9). Im multivariaten Modell waren eine gute Finanzsituation sowie Zugehörigkeit zur Interventionsgruppe (IG) im neuen Behandlungspfad Risikofaktoren für niedrigeren Schmerz. Die Behandlungszufriedenheit von MIG und Nicht- MIG war vergleichbar (27,6 vs. 27,3). Im multivariaten Modell waren eine gute Finanzsituation, männliches Geschlecht sowie IG-Zugehörigkeit Risikofaktoren für höhere Behandlungszufriedenheit .

Diskussion: Da nur Patient:innen mit ausreichenden Deutschkenntnissen in die Studie eingeschlossen wurden, ist die MIG-Studienpopulation nur bedingt repräsentativ für das NTBS-Patientenkollektiv.

Take Home Message für die Praxis: Klinische Studien müssen soziale Parameter erfassen, um Einflussfaktoren auf Studienendpunkte korrekt zu identifizieren. Migrationssensible Forschungsdesigns sind notwendig, um Patient:innen mit Sprachbarriere einschließen zu können.

Interessenkonflikte: Die Studie wurde vom G-BA Innovationsfonds gefördert (01NVF19025).