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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Mehr Medizin durch weniger Arztkontakt – Evaluation des hybriden Versorgungsmodells „DIHVA“

Alexander Roland Baasner - Digitale Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft mbH, Deutschland

Text

Hintergrund: Die hausärztliche Versorgung steht durch Alterung, Multimorbidität und Ärztemangel unter Druck, während viele Kontakte standardisierbar und niedrigkomplex sind. Hybride Modelle mit Delegation, Digitalisierung und strukturierter Diagnostik verschieben ärztliche Tätigkeit hin zur Bewertung vorstrukturierter Informationen und fokussierter Entscheidungsfindung.

Zielsetzung/Fragestellung: Die Studie untersucht Effekte des DIHVA-Modells auf Kontaktstrukturen, ärztliche Entlastung, Qualität der Entscheidungsgrundlage und Akzeptanz bei Patienten und Leistungserbringern. Zudem wird geprüft, ob asynchrone Prozesse eine gleichwertige oder verbesserte Versorgungsqualität gegenüber klassischen Kontaktformen ermöglichen.

Diskussionspunkt: Das DIHVA-Modell stellt die Kopplung von Arzt-Patienten-Kontakt, Datenerhebung und Entscheidungsfindung infrage und verschiebt ärztliche Tätigkeit hin zur Bewertung vorstrukturierter Informationen. Daraus ergeben sich zentrale Fragen: Ist weniger direkter Arztkontakt mit patientenzentrierter Versorgung vereinbar? Wie beeinflusst Vorstrukturierung die diagnostische Qualität und ärztliche Autonomie? Wo liegen die Grenzen der Delegation? Und handelt es sich um eine Notlösung bei Versorgungsengpässen – oder um einen eigenständigen Fortschritt, der neue strukturelle und regulatorische Rahmenbedingungen erfordert?

Inhalt: Das DIHVA-Modell wird als hybrider, asynchroner Ansatz evaluiert, bei dem Assistenzkräfte medizinische Daten (Anamnese, Vitalparameter, point-of-care Diagnostik) standardisiert erheben, digital vorstrukturieren und dem Arzt zur Bewertung bereitstellen. Digitale Tools unterstützen Symptomstrukturierung und Entscheidungsfindung; die ärztliche Rolle verschiebt sich von Datenerhebung zu Bewertung und Therapieentscheidung. Die Evaluation erfolgt im Mixed-Methods-Design und kombiniert quantitative Versorgungsdaten mit qualitativen Analysen zur Akzeptanz. Untersucht werden Effekte auf Effizienz, Versorgungsqualität, Sicherheit, Zufriedenheit sowie der Einfluss vorstrukturierter Informationen auf die ärztliche Entscheidungsqualität.

Take Home Message für die Praxis: Ein strukturierter, hybrider Ansatz wie DIHVA entlastet Praxen durch Delegation und digitale Vorstrukturierung standardisierbarer Leistungen. Ärztliche Tätigkeit verlagert sich von Datenerhebung zu Bewertung und Entscheidung. Voraussetzung sind klare Prozesse, qualifiziertes Personal und Vertrauen in strukturierte Daten. So entstehen Effizienzgewinne und mehr Raum für komplexe Fälle – als nachhaltige Weiterentwicklung hausärztlicher Versorgung.

Interessenkonflikte: Die Autoren sind in die Entwicklung und Umsetzung des Versorgungsmodells involviert.