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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Prävention zwischen Potenzial und Pflicht: Warum Nicht-Handeln keine Option mehr ist

Lisa Toczek - BARMER, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Zahl der nicht-übertragbaren Krankheiten (NCDs) steigt seit Jahren kontinuierlich an und stellt neben einer erheblichen gesundheitlichen auch eine wachsende ökonomische Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. In Deutschland sind über 90% aller Todesfälle NCD-bedingt, wobei ein erheblicher Anteil als durch Prävention und Behandlung vermeidbar gilt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, einer steigenden Krankheitslast und zunehmender Belastungen des Gesundheitssystems richtet sich die gesundheitspolitische Diskussion zunehmend auf Potenziale und Pflichten der Prävention.

Zielsetzung/Fragestellung: Der Beitrag geht der Frage nach, wie das gesundheitliche und ökonomische Potenzial von Prävention angesichts aktueller Herausforderungen im Gesundheitssystem wirksam genutzt werden kann.

Material & Methoden: Auf Grundlage nationaler und internationaler Datenquellen zu vermeidbarer Mortalität, relevanten Risikofaktoren sowie zu volkswirtschaftlichen Kosten wurden gesundheitspolitische Strategien analysiert, um strukturelle Voraussetzungen für eine wirksame Prävention abzuleiten.

Ergebnisse: Im Jahr 2022 waren in Deutschland rund 135.000 vorzeitige Todesfälle durch Prävention vermeidbar. Etwa 60% dieser Todesfälle lassen sich auf verhaltensbedingte Risikofaktoren zurückführen. Gleichzeitig verursachen Arbeitsunfähigkeit und Produktivitätsverluste volkswirtschaftliche Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe. Prävention stellt einen zentralen Hebel dar, um der steigenden Krankheitslast entgegenzuwirken und langfristig Kosten zu senken. Digitale Präventionsansätze und eine gezielte Nutzung von Gesundheitsdaten bieten bislang unzureichend ausgeschöpfte Potenziale.

Diskussion: Prävention ist sowohl gesundheitlich als auch ökonomisch von zentraler Bedeutung. Um Prävention wirksam umzusetzen, bedarf es klarer gesetzlicher Rahmenbedingungen, einer verbindlichen Finanzierung über Ressortgrenzen hinweg, des Ausbaus kommunaler Präventionsstrukturen sowie der Stärkung (digitaler) Gesundheitskompetenz. Unter diesen Bedingungen kann eine datenbasiert ausgerichtete Prävention etabliert werden, die langfristig zur Stabilisierung des Gesundheitssystems beiträgt.

Take Home Message für die Praxis: Wirksame und zielgerichtete Prävention braucht verbindliche Rahmenbedingungen, gemeinsame Finanzierung und datenbasierte Angebote.

Interessenkonflikte: Keine