- Conferences Overview
- Gesundheit gestalten
- Psychische Gesundheit nach Naturkatastrophen: Systematische Evidenz zu Anpassungsreaktionen und Resilienzfaktoren
Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Psychische Gesundheit nach Naturkatastrophen: Systematische Evidenz zu Anpassungsreaktionen und Resilienzfaktoren
Text
Hintergrund: Gesellschaften sehen sich zunehmend mit global verflochtenen Krisen („Polykrise“) konfrontiert, die das Risiko psychischer Belastung erhöhen. Naturkatastrophen sind besonders stressreiche Lebensereignisse mit direkten und indirekten Folgen (z. B. Traumaexposition, Verlust von Wohnraum). Im Zuge des Klimawandels nehmen extreme Wetterereignisse in Häufigkeit und Intensität zu – auch in bislang weniger betroffenen Regionen wie Europa. Während ein Teil der Betroffenen psychische Belastungen entwickelt, zeigt die Mehrheit resiliente Anpassungsreaktionen, die durch psychosoziale Resilienzfaktoren begünstigt werden. Diese lassen sich mittels verlaufsbasierter Modellierungen differenziert abbilden. Eine systematische Evidenzsynthese solcher Studien im Kontext von Naturkatastrophen fehlt bislang.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die systematische Evidenzsynthese verlaufsbasierter Studien zur Identifikation typischer Anpassungsreaktionen nach Naturkatastrophen sowie zentraler psychosozialer Resilienzfaktoren.
Material & Methoden: Die frei zugängliche Datenbank ResiMETA bündelt längsschnittliche Studien mit verlaufsbasierten Analysen zu unterschiedlichen Stressoren. Sie umfasst aktuell (Stand: 08/2023) 344 Beobachtungsstudien (≥3 Messzeitpunkte; N≥150). Ein Suchupdate (07/2025) wird derzeit integriert. Eingeschlossen werden Studien zu Naturkatastrophen. Prävalenzen der Anpassungsverläufe werden mittels Random-Effects-Metaanalysen aggregiert. Die Evidenz zu Resilienzfaktoren wird anhand standardisierter Ratings zu einem Gesamtranking verdichtet. Die Studienqualität wird mittels Newcastle-Ottawa Scale bewertet.
Ergebnisse: Aktuell wurden 31 relevante Studien identifiziert, davon analysieren 19 psychosoziale Resilienzfaktoren. Erste Befunde deuten darauf hin, dass resiliente Verläufe die häufigste Reaktion nach Naturkatastrophen darstellen, bei hoher Variabilität der Prävalenzen. Soziale Resilienzfaktoren scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Das laufende Suchupdate wird bis zum Kongress integriert und kann die Befundlage erweitern.
Diskussion: Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Heterogenität psychischer Anpassungsverläufe nach Naturkatastrophen und die Rolle psychosozialer Resilienzfaktoren in diesem Kontext.
Take Home Message für die Praxis: Eine evidenzbasierte Priorisierung von Resilienzfaktoren ermöglicht die gezielte Stärkung dieser Ressourcen als zentralen Ansatzpunkt für Prävention und Intervention.
Interessenkonflikte: Keine



