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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Digitale Gesundheitskompetenz im Alter: Ergebnisse einer qualitativen Studie

Sabine Herget - Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, Leipzig, Deutschland
Franziska Ulrike Jung - Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, Leipzig, Deutschland
Melanie Luppa - Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, Leipzig, Deutschland
Steffi Gerlinde Riedel-Heller - Universität Leipzig, Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health, Leipzig, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens gilt als zentral für eine bedarfsgerechte Versorgung. Zugleich besteht das Risiko, bestehende gesundheitliche Ungleichheiten zu verstärken, wenn vulnerable Bevölkerungsgruppen digitale Angebote nicht nutzen können. Die digitale Gesundheitskompetenz stellt eine zentrale Determinante gesundheitlicher Teilhabe im Alter dar.

Zielsetzung/Fragestellung: Analyse von Nutzung, Barrieren und förderlichen Faktoren digitaler Gesundheitskompetenz bei Personen über 65 Jahren und Ableitung versorgungsrelevanter Implikationen.

Material & Methoden: Es wurden 20 leitfadengestützte Interviews mit 10 Senior:innen, 6 Hausärzt:innen sowie 4 Expert:innen in Sachsen durchgeführt. Nach Transkription erfolgte eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring unter Nutzung von MAXQDA.

Ergebnisse: Digitale Gesundheitsangebote werden primär zur Informationssuche zu Krankheiten, Diagnosen sowie Therapien und Medikamenten genutzt, darüber hinaus für organisatorische Zwecke und digitale Kommunikation. Innerhalb der Gruppe der befragten Senior:innen zeigen sich deutliche Unterschiede im Kompetenzniveau. Zentrale Barrieren sind eingeschränkte Usability, mangelnde Barrierefreiheit, Unsicherheiten im Umgang sowie geringes Vertrauen in Informationssicherheit und -qualität. Zudem wirken sozioökonomische Faktoren, gesundheitliche Einschränkungen und fehlende soziale Unterstützung als strukturelle Einflussgrößen. Niedrigere Ausprägungen digitaler Gesundheitskompetenz werden nach Einschätzung der Expert:innen und Ärzt:innen vor allem bei hochaltrigen, alleinlebenden und einkommensschwachen Personen beobachtet. Aus der beruflichen Praxis der Expert:innen ergeben sich Hinweise auf spezifische Unterstützungsbedarfe, insbesondere hinsichtlich niedrigschwelliger Bildungsangebote, kontinuierlicher persönlicher Begleitung und verlässlicher Informationsstrukturen. Deren Bewerbung sollte über etablierte, von älteren Menschen häufig genutzte analoge Medien erfolgen, wie aus Interviewaussagen der Senior:innen hervorgeht.

Diskussion: Digitale Gesundheitskompetenz ist als mehrdimensionales Konstrukt zu verstehen, das durch individuelle, soziale und strukturelle Faktoren geprägt wird. Interventionsansätze sollten über individuelle Kompetenzvermittlung hinausgehen und systemische Barrieren adressieren.

Take Home Message für die Praxis: Zur Förderung digitaler Gesundheitskompetenz im Alter sind niedrigschwellige, zielgruppenspezifische und kontinuierlich begleitete Maßnahmen erforderlich. Primärversorgung und Krankenkassen sollten als zentrale Multiplikatoren eingebunden werden.

Interessenkonflikte: Keine