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Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Bedeutet hohe klinische Prozessqualität auch positive Patient:innenerfahrungen? Evidenz aus zertifizierten Brustzentren in Nordrhein-Westfalen

Nina Stein - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR), Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland
Thilo Dietz - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR), Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland
Susan Lee - Department of Sociology and Health Studies, Siena University, USA
Max Geraedts - Institut für Gesundheitsversorgungsforschung und Klinische Epidemiologie Fachbereich Medizin, Philipps-Universität Marburg, Marburg, Deutschland
Lena Ansmann - Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR), Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland

Text

Hintergrund: Patient:innenerfahrungen gelten als eine wesentliche Dimension der Versorgungsqualität, deren Zusammenhang mit klinischer Qualität bislang unzureichend verstanden ist. Bestehende Evidenz stützt sich überwiegend auf Zusammenhänge zwischen klinischen Outcomes und Patientenzufriedenheit, statt auf klinische Prozessindikatoren und PREMs und stammt vorwiegend aus dem anglo-amerikanischen Raum, wo PREMs bereits in nationale Qualitätssicherungssysteme integriert sind. Ebenso ist die Evidenzlage zum Einfluss von Krankenhausmerkmalen auf die Qualitätsdimensionen uneindeutig.

Zielsetzung/Fragestellung: Die Studie zielt auf die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen klinischen Prozessindikatoren und PREMs in Brustzentren in NRW ab und analysiert, inwiefern beide Qualitätsdimensionen mit organisationalen Merkmalen der Krankenhäuser assoziiert sind.

Material & Methoden: In einer Sekundärdatenanalyse wurden PREM-Daten von 4.846 Brustkrebspatient:innen aus 84 Krankenhäusern der NRW-Brustzentren mit klinischen Prozessindikatoren der Mammachirurgie aus den Krankenhausqualitätsberichten verknüpft und mittels linearer Mehrebenenmodelle und multipler linearer Regressionen auf Krankenhausebene analysiert.

Ergebnisse: Es zeigte sich kein konsistenter Zusammenhang zwischen klinischen Prozessindikatoren und Patient:innenerfahrungen. Der Gesamtscore der klinischen Prozessindikatoren war positiv mit dem PREM zu Prozessorganisation und negativ mit dem PREM zu OP-Personal assoziiert. Einzelne klinische Indikatoren zeigten weitere positive Assoziationen mit drei PREM-Dimensionen sowie dem Gesamtscore und eine negative Assoziation mit der Beratungszufriedenheit. Lehr- und Universitätskliniken erzielten in mehreren PREM-Skalen signifikant schlechtere Werte als Nicht-Lehrkrankenhäuser.

Diskussion: Hohe klinische Prozessqualität geht nicht automatisch mit positiver Patient:innenerfahrung einher, insbesondere zwischenmenschliche Versorgungsaspekte weisen teils inverse Zusammenhänge auf. Klinische- und die von Patient:innen erfahrene Qualität scheinen eine unabhängige Erhebung zu erfordern.

Take Home Message für die Praxis: Die routinemäßige Erfassung und öffentliche Berichterstattung von PREMs sollte als fester Bestandteil der Qualitätssicherung etabliert werden, um Qualität ganzheitlich abzubilden, Einrichtungen mit Verbesserungsbedarf in zwischenmenschlichen Versorgungsaspekten zu identifizieren und Anreize für Verbesserungen über alle Qualitätsdimensionen hinweg zu schaffen.

Interessenkonflikte: Keine