38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
Korrelation einer präoperativen Prioritätenliste mit der finalen Diagnose des primären vitreoretinalen Lymphoms (PVRL)
Text
Zielsetzung: Untersuchung des diagnostischen Werts der Vitrektomie beim primären vitreoretinalen Lymphom (PVRL) sowie der Aussagekraft einer präoperativen Prioritätenliste.
Methode: Retrospektive, monozentrische Analyse von 276 diagnostischen Vitrektomien zwischen 2012 und 2022 an der Augenklinik Sulzbach. Eingeschlossen wurden 85 Fälle bei klinischem Verdacht auf ein PVRL. Fälle nach postoperativer Endophthalmitis sowie ohne durchgeführte Lymphomabklärung wurden ausgeschlossen. Präoperative Differentialdiagnosen wurden anhand einer Prioritätenliste (Erst-, Differential-, Ausschlussdiagnose) erhoben und mit der finalen Diagnose korreliert.
Ergebnis: Ein PVRL wurde in 16/85 Fällen (18,8%) diagnostiziert. Die Trefferquote korrelierte mit der präoperativen klinischen Prioritätenliste und lag mit 27,8% am höchsten, wenn das PVRL als erste Verdachtsdiagnose vermutet wurde und bei 17,6% sowie bei 12,5% bei zweiter und dritter Verdachtsdiagnose. In 54,1% blieb die finale Diagnose unklar (idiopathische Uveitis). Eine virale Retinitis wurde zu 9,4% final diagnostiziert und hatte die höchste Trefferquote (50%), wenn diese als erste Verdachtsdiagnose vermutet wurde. Weitere Diagnosen (u.a. Syphilis, Candida, Toxoplasmose) wurden trotz fehlender präoperativer Verdachtsdiagnose final identifiziert.
Schlussfolgerung: Die diagnostische Vitrektomie ist ein zentrales Instrument zur Diagnosestellung des PVRL. Trotz höchster Trefferquote bei Erstverdacht konnte ein PVRL auch bei niedrigerer Verdachtseinstufung nachgewiesen werden, weshalb eine konsequente Diagnostik bei entsprechendem klinischem Verdacht erfolgen sollte. Virale Ätiologien wurden auch bei initialer Ausschlussdiagnose identifiziert, sodass eine standardisierte Aufarbeitung empfohlen wird. Unerwartete Diagnosen (z.B. Syphilis, Candida, Toxoplasmose) unterstreichen die Notwendigkeit einer breiten labordiagnostischen Abklärung der führenden Verdachtsdiagnosen. Größere Kollektive sind erforderlich, um die Aussagekraft weiter zu validieren.



